Im Jahr 2008 erschien „Mein Verräter“, ein Werk von Sorj Chalandon, das die wahre und autobiografische Geschichte einer verratenen Freundschaft erzählt, in der der Autor eine Freundschaft mit einem hochrangigen IRA-Führer schließt… Erst später erfährt er, dass dieser Mann seit 25 Jahren für den MI5 spionierte. Verraten und schockiert berichtet er von seiner Überraschung und seinem Entsetzen… Erst 2011 nimmt der Autor erneut den Stift in die Hand, um die Fortsetzung zu schreiben und sich in die Rolle des Verräters zu versetzen… Eine Fortsetzung, um besser zu verstehen, warum sein Freund zum Verräter wurde…
Jetzt, wo alles aufgedeckt ist, werden sie für mich sprechen. Die IRA, die Briten, meine Familie, meine Angehörigen, Journalisten, die ich nie getroffen habe. Einige werden es wagen, euch zu erklären, warum und wie ich zum Verräter wurde. Vielleicht werden Bücher über mich geschrieben, und ich ärgere mich darüber. Glaubt nichts von dem, was sie behaupten. Vertraut weder meinen Feinden noch meinen Freunden. Wendet euch ab von denen, die sagen, sie hätten mich gekannt. Niemand war je in meinem Inneren, niemand. Wenn ich heute spreche, dann weil ich der Einzige bin, der die Wahrheit sagen kann. Denn nach mir hoffe ich auf Stille.
Killybegs, 24. Dezember 2006 – Tyrone Meehan – Verlag Grasset –
Tyrone Meehan ist 81 Jahre alt… Abgekämpft und müde wird er endlich entdeckt und von seinen eigenen verstoßen… Alle wissen, dass er 25 Jahre lang verraten hat… In seinem kleinen Haus in Killybegs beschließt er zu schreiben, um seinen Verrat zu erzählen, die Falle zu schildern, die sich langsam um ihn schloss, um ihn zu einer Spitzel, einem Feigling und Lügner zu machen…
Dafür spricht er über seine Kindheit, sein Engagement in der IRA, seine republikanischen Überzeugungen und seine Liebe zu Irland, die ihm sein Vater vermittelt hat… Über seine idealistische Seele, die er für unerschütterlich und ganz Irland gewidmet hielt…
Dann kommt der Moment, in dem Tyrone verraten muss… Von MI5-Agenten unter Druck gesetzt, ist er gezwungen zu kooperieren… Nach und nach wird seine reine Seele grau, dunkel und müde… Zwischen Schuldgefühlen und dem Verlangen nach Frieden wird Tyrone nur noch ein Schatten seiner selbst, bis er schließlich entdeckt wird…
„Mein Verräter“ war bereits ein farbenfrohes, feines und eindrucksvolles Werk, das die Komplexität des nordirischen Konflikts aufzeigte… Mit „Rückkehr nach Killybegs“ bietet Sorj Chalandon nicht nur eine einfache Fortsetzung, sondern ein echtes Plädoyer für die Menschen…
Er zeigt, wie sehr der Krieg Menschen verändern, trotz ihrer Ideale korrumpieren und langsam verbrauchen kann… Ein sehr schönes Werk, das den nordirischen Konflikt kraftvoll und detailliert durch seine Vergangenheit und Gegenwart schildert… Unbedingt nach „Mein Verräter“ lesen!