Der Fall Sophie Toscan du Plantier
Kultur

Der Fall Sophie Toscan du Plantier

Reportage sur l'Irlande
Netflix veröffentlicht eine Dokumentarserie über den Fall Sophie Toscan du Plantier

Die Dokumentation beleuchtet einen ungelösten Mordfall aus dem Jahr 1996 in Irland

Es ist gerade erst erschienen. Netflix, die berühmte VOD-Plattform, hat eine brandneue Eigenproduktion veröffentlicht: eine Serie über den ungelösten Mord an Sophie Toscan du Plantier. Die Gelegenheit für das Unternehmen, den berühmten Mord von 1996 im West Cork noch einmal aufzurollen. Das Opfer, Sophie Toscan du Plantier, war eine bekannte Französin und Filmproduzentin in ihrem Land. Ihr grausamer und äußerst gewalttätiger Mord erschütterte damals Frankreich und Irland. Bis heute ungelöst, gehört der Fall zu den markantesten Cold Cases der letzten Jahrzehnte.

Wenn Netflix den Du Plantier-Fall neu aufrollt…

… und erschütternde Erkenntnisse präsentiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Netflix an einen Cold Case wagt. Die Plattform hat bereits zahlreiche Dokumentationen über ungeklärte Morde veröffentlicht (wie den Fall des kleinen Grégory in Frankreich) und konnte in einigen Fällen sogar Ermittlungen neu anstoßen.

Daher lag es nahe, sich einem weiteren ungelösten Fall zu widmen: dem von Sophie Toscan du Plantier. Zur Erinnerung: Diese Französin, die sich entschied, im West Cork zu leben, wurde am Abend vor Heiligabend 1996 brutal in ihrem Haus ermordet aufgefunden. Ihr Mord sorgte in Frankreich für großes Aufsehen, da die junge Frau in der Filmproduktionsbranche tätig war.

Netflix bemüht sich, die Ereignisse nachzuzeichnen, sammelt Zeugenaussagen, Beweise und stützt sich auf Polizeiberichte und Gerichtsakten.

Man erfährt Schritt für Schritt, wer Sophie Toscan du Plantier war: eine weltoffene Frau, Filmproduzentin in Frankreich, die Natur und Irland liebte. Sie war sehr unabhängig, schätzte aber auch die Einsamkeit und Einfachheit.

So zog sie sich manchmal in ihre irische Schafhütte im West Cork zurück, mit Blick aufs Meer. Doch an jenem Abend vor Heiligabend 1996 klopfte jemand an ihre Tür… und schlug sie zu Tode.

Danach kommt Ian Bailey zu Wort: der Hauptverdächtige im Fall, der in Frankreich verurteilt wurde, aber von Irland nicht ausgeliefert wurde.

Die Spannung steigt. Die Dokumentation wird regelrecht fesselnd. Ian Bailey scheint die mediale Aufmerksamkeit zu genießen und gibt vor der Kamera selbstbewusst Auskunft. Er weiß, dass die französische Justiz ihm nichts anhaben kann – er scheint vom irischen Rechtssystem geschützt zu sein.

Die packende Dokumentation zeigt die verschiedenen Ermittlungsansätze, enthüllt die Unvorbereitetheit der irischen Polizei (die Tatort wurde verwüstet, wodurch mögliche Beweise zerstört wurden, die den Fall hätten schneller lösen können) und kritisiert die komplexen und träge agierenden Justizstrukturen…

Kurz gesagt: Die Netflix-Dokumentation besteht aus 3 Episoden von jeweils 50 bis 60 Minuten. Schnell wird man von der Geschichte regelrecht gefesselt. Suchtgefahr inklusive – die Serie entwickelt sich zu einem düsteren Kriminalroman, in dem der Hauptverdächtige ungeniert aussagt, während Polizei, Justiz und Angehörige angesichts eines so perfiden Falls machtlos wirken.

Unbedingt sehenswert.