Hugh O’Flaherty (1898 – 1963)
Kultur

Hugh O’Flaherty (1898 – 1963)

Hugh O'Flaherty - Public Domain

Ein irischer Geistlicher, bekannt dafür, während des Zweiten Weltkriegs mehr als 6.500 Menschen vor den Nazis zu retten.

Wenn Sie bewegende Lektionen über Mut schätzen, sollte die Geschichte von Hugh O’Flaherty Ihr Interesse wecken. Er ist ein wenig bekannter Held des Zweiten Weltkriegs, oft als der „irische Oskar Schindler“ bezeichnet. Dieser zurückhaltende und überzeugte Geistliche ist dafür bekannt, während des Zweiten Weltkriegs in Italien als Monsignore das Leben von nicht weniger als 6.500 Menschen vor den Nazis gerettet zu haben. Ein Mann voller Mut und Tapferkeit, der nie gezögert hat, alle Risiken auf sich zu nehmen, um anderen zu helfen. Ein Blick zurück auf das Leben eines irischen Priesters, der zu allem bereit war.

Leben und Wirken von Hugh O’Flaherty

Kindheit

Hugh O’Flaherty wurde am 28. Februar 1898 im kleinen Dorf Lisrobin in Kiskeam, County Cork, Irland, geboren. Sein Vater war bis 1909 Mitglied der Royal Irish Constabulary in Tralee, bevor die Familie nach Killarney zog.

Dort wurde sein Vater Manager eines Golfplatzes. Hugh O’Flaherty lebte vor Ort, spielte intensiv Golf und wurde bereits in seiner Jugend zu einem ernstzunehmenden Wettkampfspieler.

Von klein auf war Hugh tief in der Religion verwurzelt. Seine Familie erzog ihn mit Werten wie christlicher Nächstenliebe, der Kraft des Glaubens und der Verpflichtung, Gutes zu tun.

Ursprünglich wollte er Lehrer werden, doch 1918 trat er in das Jesuitenkolleg Mungret in Limerick ein, um Missionar zu werden.

Sein Mitgefühl zeigte sich früh: 1921 wurde er zusammen mit Freunden verhaftet, weil sie einer Familie ihr Beileid aussprachen, deren Angehörige während des irischen Unabhängigkeitskriegs von den Engländern getötet worden waren. Der Vorfall sorgte für Aufsehen, doch Hugh wurde dank des Eingreifens des Direktors des Mungret-Kollegs schnell freigelassen.

1922 wurde er nach Rom geschickt, um seine Studien abzuschließen, finanziert vom Bischof von Kapstadt in Südafrika, Cornelius O’Reilly. Dort erwarb er Abschlüsse in Theologie, Divinität, Kirchenrecht und Philosophie.

Am 20. Dezember 1925 wurde er zum Priester geweiht. Zudem wurde er päpstlicher Botschafter in Ägypten, Haiti, der Dominikanischen Republik und der Tschechoslowakei.

1934 erhielt er den Titel Monsignore.

Die Zeit des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Hugh O’Flaherty zu einer Symbolfigur des katholischen Widerstands gegen den Nazismus. Zu dieser Zeit lebte er in Italien, nahe Rom.

Er war sich der Gefahr bewusst, der italienische Juden und antifaschistische Aristokraten ausgesetzt waren, und beschloss, so viele Menschen wie möglich zu verstecken. Seine Strategie bestand darin, sie in Klöstern und Konventen, aber auch in seinem ehemaligen Kolleg und in seinem eigenen Haus zu verbergen.

Er organisierte ihre schrittweise Evakuierung, sobald es möglich war, und half so tausenden italienischen Juden und Antifaschisten zur Flucht.

Im Frühjahr 1943 erweiterte Hugh O’Flaherty seine Operation und schloss britische Kriegsgefangene sowie alliierte Flieger ein. Um noch mehr Menschen aufnehmen zu können, baute er ein weitreichendes Netzwerk sicherer Wohnungen in Rom auf, in denen sie sich verstecken konnten.

All dies geschah unter der deutschen Besatzung Roms, wo die Risiken maximal waren.

Glücklicherweise nutzte Hugh O’Flaherty seinen Status als Geistlicher, um den Anschein zu wahren. Zudem verkleidete er sich bei seinen Einsätzen, um die Flucht seiner Schützlinge zu ermöglichen.

So blieb er für die deutschen Besatzer unauffällig und konnte die Wachsamkeit der Gestapo und des Sicherheitsdienstes (SD) überlisten!

Die Bilanz

Insgesamt wird geschätzt, dass Monsignore O’Flaherty etwa 6.500 Menschen vor den Nazis gerettet hat. Sein Geschick brachte ihm den Spitznamen „Der Scarlet Pimpernel des Vatikans“ ein.

Obwohl er weniger bekannt ist als Oskar Schindler, war sein Wirken entscheidend für das Leben von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern. Ein Symbol für Tapferkeit, auf das Killarney und Irland stolz sind!

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde Hugh O’Flaherty für sein Wirken geehrt und von Papst Pius XII. zum päpstlichen Hausprälaten ernannt.

Er erhielt zahlreiche prestigeträchtige Auszeichnungen, darunter den Titel Commander of the British Empire und die Freiheitsmedaille des US-Kongresses. Zudem war er der erste Ire, der zum Notar des Heiligen Offiziums ernannt wurde.

Im Ruhestand kehrte O’Flaherty auf seine Heimatinsel zurück. Er zog nach Cahersiveen in Irland, wo er drei Jahre lebte, bevor er am 30. Oktober 1963 verstarb.

Sein Tod war ein Schock für ganz Irland sowie für Länder wie Amerika, Frankreich und Italien. Sein Engagement und Mut während des Zweiten Weltkriegs wurden von den Geretteten gewürdigt. Aus aller Welt kamen Ehrungen nach Killarney, und er wurde zum Helden erhoben.

Seit 2013 widmet die Stadt Killarney ihm ein Denkmal: Es zeigt Hugh O’Flaherty in seiner Geistlichenrobe, mit Buch in der Hand und runden Brillen auf der Nase, dargestellt in seiner Güte und Schlichtheit. An einer Wand hinter ihm sind seine Auszeichnungen und die Erklärung seines Wirkens zu sehen.