Maureen O’Hara (1920–2015) zählt zu den größten irischen Schauspielerinnen des goldenen Zeitalters Hollywoods. Die gebürtige Dublinerin, berühmt für ihr rotes Haar, ihr Temperament und ihre grünen Augen, etablierte sich bereits Ende der 1930er-Jahre im amerikanischen Kino. Im Laufe ihrer außergewöhnlichen Karriere wurde sie von Alfred Hitchcock, John Ford, Jean Renoir und Sam Peckinpah inszeniert. Für viele Iren bleibt Maureen O’Hara jedoch vor allem die unvergessliche Mary Kate Danaher aus Der Sieger, an der Seite von John Wayne in den Landschaften Connemaras.
Maureen O’Hara wird am 17. August 1920 in Dublin unter dem Namen Maureen FitzSimons geboren.
Sie wächst in einer irischen Familie auf, in der die Künste einen wichtigen Stellenwert haben. Ihre Mutter Marguerita Lilburn FitzSimons ist unter anderem Sängerin. Schon früh begeistert sich Maureen ebenfalls für die Bühne.
Sie studiert Schauspiel, Musik und Tanz und besucht die renommierte Abbey Theatre School in Dublin. Ihr Vater legt jedoch Wert darauf, dass sie auch einen konventionelleren Beruf erlernt, und ermuntert sie zudem, Buchhaltung und Maschinenschreiben zu studieren.
Das Schicksal der jungen Dublinerin nimmt schließlich eine ganz andere Richtung.
Nach ersten Auftritten auf der Leinwand wird Maureen FitzSimons von Charles Laughton entdeckt, einem der bedeutendsten britischen Schauspieler jener Zeit.
Laughton und sein Geschäftspartner Erich Pommer bieten ihr einen Vertrag bei ihrer Produktionsfirma Mayflower Pictures an. In dieser Zeit nimmt Maureen FitzSimons auch den Namen an, unter dem sie bald weltweit bekannt sein wird: Maureen O’Hara.
1939, mit gerade einmal 18 Jahren, erhält sie eine bedeutende Rolle in Jamaica Inn, inszeniert von Alfred Hitchcock. Dort spielt sie unter anderem an der Seite von Charles Laughton.
Im selben Jahr erhält ihre Karriere mit William Dieterles Der Glöckner von Notre Dame (The Hunchback of Notre Dame) internationale Dimensionen. Maureen O’Hara verkörpert darin Esmeralda, während Charles Laughton Quasimodo spielt.
Hollywood hat einen seiner künftigen großen Stars entdeckt.
In den Vereinigten Staaten angekommen, reiht Maureen O’Hara rasch eine Produktion an die nächste.
1940 dreht sie unter anderem Dance, Girl, Dance von Dorothy Arzner, bevor John Ford sie 1941 für So grün war mein Tal (How Green Was My Valley) besetzt.
Der Film gewinnt fünf Oscars, darunter den für den besten Film sowie den für die beste Regie für John Ford.
Diese Begegnung markiert den Beginn einer entscheidenden Zusammenarbeit in der Karriere der Schauspielerin.
In den folgenden Jahren setzt sich Maureen O’Hara gleichermaßen in Abenteuerfilmen, Western, Dramen und Familienkomödien durch. Hollywood nutzt ihr Image als unabhängige, entschlossene Frau gern – weit entfernt von den stets zurückhaltenden Frauenfiguren, die das Kino jener Zeit Schauspielerinnen noch häufig zugedacht hat.
1947 spielt Maureen O’Hara Doris Walker in Das Wunder von Manhattan (Miracle on 34th Street).
Sie verkörpert eine alleinerziehende Mutter, deren Tochter einem alten Mann begegnet, der behauptet, der echte Weihnachtsmann zu sein.
Der Film wird nach und nach zu einem Klassiker des amerikanischen Kinos und wird in den Vereinigten Staaten bis heute regelmäßig mit der Weihnachtszeit verbunden.
Doch die Rolle, die Maureen O’Hara endgültig mit ihrer irischen Heimat verbinden wird, folgt einige Jahre später.
Im Jahr 1952 dreht John Ford Der Sieger (The Quiet Man) mit John Wayne und Maureen O’Hara in den Hauptrollen.
John Wayne spielt Sean Thornton, einen ehemaligen amerikanischen Boxer irischer Herkunft, der in das Dorf seiner Vorfahren zurückkehrt, um sich dort niederzulassen. Dort trifft er Mary Kate Danaher, eine junge Frau mit besonders starkem Charakter, die von Maureen O’Hara verkörpert wird.
Die explosive Beziehung zwischen den beiden Figuren wird zum Kern des Films.
Für Maureen O’Hara ist Mary Kate eine der prägendsten Rollen ihrer Karriere. Ihr Temperament entspricht perfekt dem Bild, das die Schauspielerin in Hollywood von sich geschaffen hat: dem einer Frau, die ihren männlichen Partnern Paroli bieten kann – auch John Wayne.
Der Sieger nimmt in Maureen O’Haras Filmografie eine besondere Stellung ein, weil sie dadurch auch in ihrem Heimatland drehen kann.
Ein bedeutender Teil des Films entsteht rund um Cong im County Mayo sowie in mehreren Landschaften im Westen Irlands.
Das von John Ford erdachte fiktive Dorf Inisfree ist von einem idealisierten ländlichen Irland inspiriert – mit Cottages, kleinen Straßen, Pubs und grünen Hügeln.
Mehr als 70 Jahre nach dem Kinostart des Films kommen Reisende weiterhin nach Cong, um den Spuren von John Wayne und Maureen O’Hara zu folgen. Mehrere mit den Dreharbeiten verbundene Orte sind noch immer zu erkennen, und das Dorf hält die Erinnerung an den Film lebendig.
Für Filmfans, die durch den Westen Irlands reisen, ist Cong damit einer der interessantesten Pilgerorte der Filmgeschichte im Land.
Die Verbundenheit zwischen Maureen O’Hara und John Wayne reicht weit über Der Sieger hinaus.
Die beiden Schauspieler freunden sich an und stehen in mehreren Produktionen gemeinsam vor der Kamera.
Zu sehen sind sie unter anderem in Rio Grande von 1950, Der Sieger von 1952, Der Adler der neunten Legion von 1957, McLintock! von 1963 und Big Jake von 1971.
Ihre Gegensätzlichkeit auf der Leinwand funktioniert besonders gut: John Wayne verkörpert meist imposante Figuren, während Maureen O’Hara sich gerade nicht in den Hintergrund drängen lässt.
So wird ihr Duo zu einem der markantesten des amerikanischen Kinos der 1950er- und 1960er-Jahre.
Maureen O’Haras Karriere beschränkt sich jedoch keineswegs auf ihre Zusammenarbeit mit John Ford und John Wayne.
Sie arbeitet mit einigen der wichtigsten Regisseure ihrer Zeit: Alfred Hitchcock, Henry Hathaway, Jean Renoir, Nicholas Ray, Carol Reed und Sam Peckinpah.
Anfang der 1970er-Jahre zieht sie sich nach Big Jake allmählich aus dem Filmgeschäft zurück.
1991 feiert sie jedoch in Chris Columbus’ Only the Lonely an der Seite von John Candy ein beachtetes Comeback.
Trotz ihrer besonders angesehenen Karriere hatte Maureen O’Hara nie einen Oscar für eine ihrer Rollen gewonnen.
Hollywood korrigiert dieses Versäumnis schließlich 2014, als sie für ihr Lebenswerk mit einem Ehrenoscar ausgezeichnet wird.
Damit gehört sie zu den wenigen irischen Schauspielerinnen ihrer Generation, die diese Auszeichnung erhalten.
Maureen O’Hara stirbt am 24. Oktober 2015 im Alter von 95 Jahren in Boise, Idaho.
Sie wird neben ihrem Ehemann Charles F. Blair Jr. auf dem Arlington National Cemetery in Virginia beigesetzt.
Maureen O’Hara gehört zu jener Generation von Irinnen und Iren, die eine internationale Karriere aufbauten, ohne die Verbindung zu ihrem Herkunftsland jemals ganz abzubrechen.
Ihre Darstellung der Mary Kate Danaher hat insbesondere dazu beigetragen, das filmische Bild Irlands beim amerikanischen Publikum zu prägen.
Ihr Vermächtnis ist auch in Irland weiterhin sichtbar. Die Landschaften und Dörfer, die mit Der Sieger verbunden sind, ziehen nach wie vor Besucher an, während ihr Name eng mit dem goldenen Zeitalter Hollywoods verknüpft bleibt.
Im Jahr 2020, dem hundertsten Jahrestag ihrer Geburt, wurden ihr in Irland mehrere Würdigungen gewidmet.
Von Dublin nach Hollywood, von Connemara bis zu den großen amerikanischen Western: Maureen O’Hara bleibt eine der bedeutendsten irischen Persönlichkeiten der Filmgeschichte.