Irland mit dem Motorrad zu erkunden heißt, die Landschaft hinter jeder Kurve neu zu erleben: eine von Steinmauern gesäumte Straße, ein Strand, der hinter einem Hügel auftaucht, ein in Nebel gehüllter Pass oder ein Dorf, in dem man einfach anhält, weil es einladend wirkt. Dank der überschaubaren Entfernungen und der abwechslungsreichen Landschaften eignet sich die Insel hervorragend für Reisen auf zwei Rädern.
Diese Freiheit erfordert jedoch ein Mindestmaß an Vorbereitung. Linksverkehr, schmale Straßen, wechselhaftes Wetter, abweichende Vorschriften in Nordirland: Bevor man losfährt, sollte man die örtlichen Besonderheiten kennen.

Ein Motorradfahrer in Irland – George Karbu – CC
Mit dem Motorrad entdeckt man Irland weniger als eine Abfolge von Etappen denn als Landschaft in Bewegung. Die Nebenstraßen schlängeln sich durch Weideland, führen an stillen Mooren entlang und verlaufen mitunter ganz nah an den Klippen. Auf der Karte wirken die Entfernungen kurz, doch die Reise gibt ganz natürlich das Tempo vor.
Über das Autobahnnetz lassen sich die großen Regionen schnell erreichen. Für das Fahrvergnügen ist es allerdings nur begrenzt interessant. Die schönsten Erlebnisse bieten die National-, Regional- und Lokalstraßen – vorausgesetzt, man ist bereit, gemächlich zu fahren und häufig anzuhalten.
Eine Tagesetappe von 150 bis 250 Kilometern reicht in der Regel aus, um die Landschaft zu genießen, ohne die Reise in einen Ausdauerwettbewerb zu verwandeln. An der Westküste können 200 Kilometer leicht einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, wenn Pausen, Besichtigungen und Wetterwechsel hinzukommen.
Mit dem eigenen Motorrad anzureisen, ist für europäische Reisende oft die bevorzugte Lösung. Man fährt mit einer vertrauten Maschine, kann das gewohnte Gepäck nutzen und vermeidet die mitunter einschränkenden Bedingungen einer Anmietung.
Fährverbindungen führen insbesondere von Frankreich und Großbritannien zu mehreren irischen Häfen. Überfahrten und Routen ändern sich je nach Saison; daher sollten die Fahrpläne der Reedereien unbedingt geprüft werden, bevor man seinen Roadtrip plant.
Beim Einschiffen werden Motorräder auf dem Fahrzeugdeck abgestellt und mit Spanngurten gesichert. Das Befestigungsmaterial wird in der Regel bereitgestellt, und die Crew kann helfen, doch jede Reederei hat eigene Vorgaben. Gegenstände, die herunterfallen könnten, sollten entfernt werden. Außerdem empfiehlt sich eine kleine Tasche mit allem, was während der Überfahrt benötigt wird, denn das Fahrzeugdeck ist üblicherweise nicht mehr zugänglich, sobald das Schiff auf See ist.
Das Ticket muss den Passagier und das Motorrad einschließen sowie bei Nachtüberfahrten die gewählte Unterkunftsart. Eine Kabine erhöht das Budget, ermöglicht aber eine ausgeruhte Ankunft vor dem ersten Fahrtag im Linksverkehr.
Eine Anmietung erspart die Überfahrt und ermöglicht die Anreise mit dem Flugzeug bei leichterem Gepäck. Das Angebot ist jedoch deutlich kleiner als bei Mietwagen. Besonders zwischen Mai und September empfiehlt es sich, mehrere Monate im Voraus zu reservieren.
Die Bedingungen unterscheiden sich stark je nach Anbieter. Manche Vermieter verlangen ein Mindestalter von 20 Jahren, andere setzen 25 Jahre voraus. In der Regel werden ein unbefristeter Motorradführerschein für die entsprechende Fahrzeugklasse, ein Ausweisdokument, eine Kreditkarte und eine hohe Kaution verlangt.
Vor der Buchung sollten die enthaltenen Freikilometer, die Höhe der Selbstbeteiligung, die Pannen- oder Reifenpannenhilfe, das Gepäck, die Regenausrüstung und die Stornobedingungen verglichen werden. Führt die Route durch Nordirland, muss diese Nutzung vom Vermieter ausdrücklich erlaubt und durch die Versicherung abgedeckt sein.
Einige Anbieter offerieren Selbstfahrer- oder geführte Touren, die Motorrad, Unterkünfte, Transfers und Unterstützung umfassen. Diese Variante kostet mehr als eine einfache Anmietung, kann Reisenden, die erstmals im Linksverkehr fahren, jedoch Sicherheit geben.
Ein gültiger Motorradführerschein für die jeweilige Fahrzeugklasse ist Pflicht. Unbefristete Führerscheine, die von einem Land der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums ausgestellt wurden, werden in der Republik Irland anerkannt. Bei Führerscheinen aus anderen Ländern hängen die Bedingungen vom Ausstellungsland ab; möglicherweise ist ein internationaler Führerschein erforderlich.
Nationale Regelungen, nach denen man mit einem einfachen Autoführerschein ein Motorrad mit 125 cm³ fahren darf, werden im Ausland nicht automatisch anerkannt. Sicherer ist es daher, eine auf dem Führerschein eindeutig vermerkte Klasse A1, A2 oder A zu besitzen und vor jeder Zahlung eine Bestätigung des Vermieters einzuholen.
Wer mit dem eigenen Motorrad unterwegs ist, sollte die Zulassungsbescheinigung, einen für die Republik Irland und gegebenenfalls für Nordirland gültigen Versicherungsnachweis sowie einen Eigentumsnachweis oder eine Nutzungserlaubnis mitführen. Eine Haftpflichtversicherung ist obligatorisch, doch für eine Rundreise ist ein Schutz, der Diebstahl, Schäden, Pannenhilfe und Rückführung abdeckt, deutlich vorzuziehen.
Die Grüne Karte ist für Fahrzeuge, die in der Europäischen Union versichert sind, nicht immer vorgeschrieben. Dennoch empfiehlt es sich, beim Versicherer eine Bescheinigung über die abgedeckten Gebiete anzufordern und einen Versicherungsnachweis griffbereit aufzubewahren.
An der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland gibt es keine permanente Straßenkontrolle. Mitunter überquert man sie, ohne es zu bemerken, doch damit wechselt man in einen anderen Rechtsraum.
Die meisten europäischen Besucher müssen mittlerweile vor der Einreise in das Vereinigte Königreich eine elektronische Reisegenehmigung, eine ETA, einholen – auch wenn sie Nordirland auf dem Landweg erreichen. Diese Formalität ist an den während der Reise verwendeten Reisepass gebunden. Ausnahmen gelten insbesondere für britische und irische Staatsbürger sowie unter bestimmten Voraussetzungen für rechtmäßige Einwohner der Republik Irland.
In Nordirland ist das Pfund Sterling die Währung, und die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden in Meilen pro Stunde angegeben. Auch die Bedingungen für die Nutzung des Mobiltelefons können sich nach dem Grenzübertritt ändern: Es ist ratsam, die vom Mobilfunkanbieter geltenden Roaming-Regeln zu prüfen.
Sowohl in der Republik Irland als auch in Nordirland herrscht Linksverkehr. Überholt wird rechts, und Kreisverkehre werden im Uhrzeigersinn befahren; Fahrzeuge, die sich bereits im Kreisverkehr befinden und von rechts kommen, haben Vorfahrt.
Auf den ersten Kilometern ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, vor allem nach einer Pause, beim Verlassen einer Tankstelle oder wenn man auf einer menschenleeren Straße wieder losfährt. Gerade in diesen Situationen gerät man häufig ungewollt wieder auf die falsche Straßenseite.
Man sollte auch nicht zu nah am linken Fahrbahnrand fahren. Auf den Seitenstreifen können sich Kies, Schlaglöcher, Schlamm oder nasse Vegetation verbergen. Auf Straßen, die von Hecken und Mauern gesäumt sind, ist es besser, eine Position zu halten, in der man gut sichtbar bleibt, ohne sich Fahrzeugen auszusetzen, die in einer Kurve entgegenkommen.
In der Republik Irland geben die Schilder die Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde an. Seit Februar 2025 wurde die allgemeine Höchstgeschwindigkeit auf vielen ländlichen Nebenstraßen von 80 auf 60 km/h gesenkt. Je nach Kategorie können auf anderen Straßen 80, 100 oder 120 km/h gelten, doch die Beschilderung vor Ort hat stets Vorrang.
In Nordirland werden die Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde angezeigt. Die häufigsten Begrenzungen sind 30 mph innerhalb geschlossener Ortschaften, 60 mph außerhalb geschlossener Ortschaften sowie 70 mph auf Autobahnen oder bestimmten Straßen mit getrennten Fahrbahnen, sofern nicht anders angegeben.
Eine zulässige Höchstgeschwindigkeit ist niemals ein Tempo, das erreicht werden muss. Auf einer schmalen, nassen oder unübersichtlichen Straße muss man jederzeit vor einem Traktor, einer Herde, einem Radfahrer oder einem Fahrzeug anhalten können, das einen Teil der Fahrbahn einnimmt.
Die rund 2.500 Kilometer lange Wild Atlantic Way verbindet die Halbinsel Inishowen in Donegal mit Kinsale im County Cork. Sie folgt der Atlantikküste und führt durch einige der spektakulärsten Landschaften der Insel.
Um die gesamte Route zu fahren, sollte man idealerweise zwei bis drei Wochen einplanen. Bei einem kürzeren Aufenthalt ist es besser, eine oder zwei Regionen auszuwählen, statt zu versuchen, alle Sehenswürdigkeiten aneinanderzureihen. Donegal, Mayo, Connemara, Clare, Kerry und West Cork können jeweils mehrere Tage füllen.
Im Südwesten konzentrieren sich mehrere bei Motorradfahrern beliebte Routen. Der Ring of Kerry bildet eine rund 180 Kilometer lange Rundstrecke zwischen Bergen, Seen und Ozean. Er lässt sich an einem Tag befahren, verdient aber mehr Zeit, wenn man den Skellig Ring und die Nebenstraßen der Halbinsel Iveragh entdecken möchte.
Die Halbinsel Dingle bietet eine kompaktere Route, geprägt von den Klippen bei Slea Head, Stränden und den Höhenzügen des Mount Brandon. Weiter südlich besitzt die Halbinsel Beara ruhigere, schmalere und oft sehr windanfällige Straßen.
Das Connemara wechselt zwischen Seen, Mooren, Bergen und Meeresarmen. Die Straßen rund um Clifden, das Inagh Valley und den Killary Harbour ermöglichen wunderschöne Etappen, ohne Kilometer um Kilometer zurückzulegen.
Weiter südlich bietet der Burren eine völlig andere Kulisse. Sein Kalksteinplateau, die Steinmauern und die Straßen über der Galway Bay schaffen eine fast mineralische Atmosphäre. Bei Regen kann der Belag jedoch rutschig werden.
Die Causeway Coastal Route verbindet Belfast mit Derry-Londonderry und folgt einem Teil der Nordküste. Je nach gewählten Abstechern ist die Strecke etwa 120 bis 185 Kilometer lang.
Die Route führt unter anderem über Carrickfergus, die Glens of Antrim, Ballycastle, Ballintoy, den Giant’s Causeway und die Umgebung von Portrush. Ein Tag reicht aus, um die Hauptroute zu fahren, doch zwei Tage ermöglichen es, Landschaften und Besichtigungen wirklich zu genießen.
Regen hält in Irland nicht immer lange an, kann aber unvermittelt einsetzen. Der Wind ist oft die größere Herausforderung, besonders auf Halbinseln, Brücken und exponierten Küstenstraßen. Eine starke Seitenböe kann ein beladenes Motorrad plötzlich versetzen.
Der Belag auf den Hauptverkehrsstraßen ist in der Regel ordentlich. Kleine Straßen können dagegen Schlaglöcher, unebene Ausbesserungen, Erde, nasses Laub oder Kies aufweisen, der von landwirtschaftlichen Zufahrten auf die Straße gelangt ist. Unübersichtliche Kurven sind häufig, und manche Fahrbahnen sind kaum breit genug für zwei Fahrzeuge.
Auch mit Schafen, Traktoren, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Reisebussen muss gerechnet werden. Eine scheinbar menschenleere Straße sollte niemals dazu verleiten, eine Kurve zu schneiden oder schneller zu fahren, als die Sichtweite erlaubt.
Das Tragen eines zugelassenen und korrekt befestigten Helms ist für Fahrer und Beifahrer Pflicht. Die Road Safety Authority empfiehlt außerdem, mit Abblendlicht zu fahren, gut sichtbare Kleidung zu tragen und eine vollständige Schutzausrüstung zu verwenden.
Eine verstärkte Jacke und Hose, Handschuhe, die Knöchel bedeckende Stiefel sowie geeignete Protektoren sind unverzichtbar. Eine wasserdichte Membran oder ein leicht zugänglicher Regenanzug erspart es, bei einsetzendem Regen das Gepäck ausräumen zu müssen.
Die Temperaturen können selbst im Sommer kühl bleiben. Mehrere dünne Schichten sind oft wirksamer als ein einziges dickes Kleidungsstück. Ersatzhandschuhe, ein Schlauchtuch und ein Antibeschlagmittel für das Visier verbessern den Komfort an feuchten Tagen deutlich.
In abgelegeneren Regionen ist es ratsam, vor Erreichen der Reserve zu tanken. Rund um die Städte gibt es weiterhin viele Tankstellen, doch auf manchen Halbinseln und Küstenstraßen können die Abstände größer sein.
Das Gepäck sollte wasserdicht, ausgewogen und sicher befestigt sein. Schwere Gegenstände sollten möglichst tief verstaut werden. Bei jedem Halt lohnt es sich, die Gurte, Taschen und alle Teile zu überprüfen, die sich durch den Wind bewegen könnten.
Bei der Buchung von Unterkünften ist ein privater oder vom Haus aus sichtbarer Parkplatz ein echter Vorteil. Ein zusätzliches Schloss bleibt ebenso empfehlenswert wie der Verzicht darauf, Wertgegenstände auf dem Motorrad zurückzulassen.
Bei Gruppenreisen sollte die Zahl der Motorräder begrenzt und Treffpunkte vor der Abfahrt festgelegt werden. Versetztes Fahren verbessert die Sichtbarkeit. Jeder Teilnehmer sollte in seinem eigenen Tempo fahren und nicht seine Grenzen überschreiten, nur um der Gruppe zu folgen.
Ein freier Tag im Programm ermöglicht es, schlechtes Wetter, unerwartete Erschöpfung oder eine Änderung der Fährüberfahrt aufzufangen. Im Notfall funktionieren die Nummern 112 und 999 sowohl in der Republik Irland als auch in Nordirland.
Sicherheitsvorschriften und Empfehlungen zur Ausrüstung finden sich bei der Road Safety Authority. Die für ausländische Führerscheine geltenden Bestimmungen werden von Citizens Information sowie auf dem offiziellen Portal nidirect erläutert. Reisende, die nach Nordirland fahren möchten, sollten außerdem die Regeln zur britischen elektronischen Reisegenehmigung prüfen.