Es ist der aktuelle Shitstorm. Nach dem Sieg der irischen Rugby-Nationalmannschaft gegen Südafrika bei der Weltmeisterschaft hallte das Stade de France zum Klang von „Zombie“ von The Cranberries, gesungen von Tausenden irischer Fans. Diese Szene, die vielfach in den sozialen Medien geteilt wurde, löste unterschiedliche Reaktionen aus. Für einige ist das Lied zur inoffiziellen Hymne des irischen Rugbys geworden, während andere einen Skandal sehen und die Wahl dieses Songs aus politischen Gründen infrage stellen.
„Zombie“, ein Hit von The Cranberries, als beleidigend empfunden?
Die Frage Nordirlands kommt wieder auf
Obwohl „Zombie“ seit 29 Jahren ein internationaler Hit ist, hätte niemand erwartet, dass es in einem Stadion zu einer Debatte kommt. Doch die Frage stellte sich, als eine tobende Menge irischer Fans nach dem Sieg gegen Südafrika im Stade de France das Lied von The Cranberries anstimmte.

Zombie von The Cranberries
Schnell fühlten sich die Iren in dieser Frage gespalten: Für viele ist das Lied harmlos. Es wird regelmäßig bei Spielen von Munster Rugby gesungen, als Hommage an die Verbindung zwischen The Cranberries und Limerick. Es sei einfach ein Lied, das die Massen mitreißt – ohne Hintergedanken, Provokation oder politische Botschaft.
Für andere jedoch hat das Lied eine ganz andere Bedeutung. Einige Iren sehen darin eine Verharmlosung der Ereignisse in Nordirland und eine Minimierung des Leids der nationalistischen Seite. Schlimmer noch, es zeige das Unverständnis der Republik Irland gegenüber dem, was die Nationalisten in Nordirland erlebt haben.
Warum also diese heftige Debatte? Ein Blick zurück auf ein engagiertes Lied, das vielfältige Interpretationen hervorruft.
„Zombie“ – vor allem ein Aufruf zum Frieden
Zur Erinnerung: Das Lied „Zombie“ erschien 1994. Es behandelt die Anschläge in Warrington, die von der Provisorischen IRA verübt wurden und bei denen zwei Jungen in England ums Leben kamen. Dolores O’Riordan, die Sängerin von The Cranberries, erklärte 2017, dass das Lied eine persönliche Reaktion auf diese Ereignisse sei. Sie betonte, dass sie von diesen Gewalttaten schockiert war, sich als Irin aber sehr weit entfernt von dem fühlte, was in Nordirland geschah:
„Das bin nicht ich, das ist nicht meine Familie.“
Diese Aussage löste damals eine echte Debatte aus und zeigte die Spaltung der Iren in der Nordirland-Frage. Für viele ist das Lied eine Friedenshymne, während andere darin eine Wahrnehmungslücke zwischen den Iren in der Republik Irland und denen in Nordirland sehen – eine Art Verleugnung des dort erlebten Leids.
Einige Iren äußerten damals Kritik an der vermeintlichen „Ignoranz“ von Dolores O’Riordan gegenüber der Nordirland-Frage. Sie warfen der Sängerin vor, die damalige Situation in Nordirland nicht zu verstehen, sich von ihrem Kampf zu distanzieren und fast das Leid der Nordiren, die unter Bomben und Anschlägen litten, zu leugnen.
Obwohl die Debatte 2017 abklang, scheint sie leider im Zuge dieser Rugby-Weltmeisterschaft wieder aufgelebt zu sein.
Nach dem Spiel entbrannten die Diskussionen in den sozialen Netzwerken förmlich. Einige forderten jedoch ein Ende dieser „Unsinnigkeiten“ und meinten, die gegnerische Seite sei zu empfindlich und schüre dort Streit, wo keiner sei. Für sie sei „Zombie“ einfach nur ein Lied – nichts weiter. Es gehe nicht darum, die Familien der nationalistischen Opfer zu beleidigen.
Für andere ist das eine ganz andere Geschichte. Sie empfanden den Gesang als Provokation.
Eine offenbar hartnäckige Kontroverse, die die Zerbrechlichkeit Irlands in der Nordirland-Frage zeigt – ein Shitstorm, der leider den großartigen irischen Sieg gegen die südafrikanische Rugby-Nationalmannschaft überschattet hat.
