Vor der Beara-Halbinsel im County Cork ragt Bull Rock wie eine wahre natürliche Festung aus dem Atlantik empor. Die felsige Insel, etwa 4 Kilometer von Dursey Island entfernt, ist bekannt für ihren abgelegenen Leuchtturm, ihre steilen Klippen und den eindrucksvollen Meerestunnel, der sie vollständig durchquert.

Zu Fuß ist Bull Rock für Besucher nicht zugänglich und lässt sich ausschließlich vom Meer aus entdecken. Sein zerklüftetes Relief, die Gebäude der ehemaligen Wärterstation und die Vögel, die über seinen Felswänden kreisen, bilden eine spektakuläre Kulisse wie aus einem großen Abenteuerfilm.
Die Ausflüge nach Bull Rock starten am Garnish Pier am westlichen Ende der Beara-Halbinsel. Dieser kleine Hafen darf nicht mit dem Anleger von Garnish Island in Glengarriff verwechselt werden: Die Abfahrt erfolgt tatsächlich von Garnish in der Nähe von Dursey Island.
Die von Dursey Boat Trips angebotene Tour dauert etwa 1 Stunde und 30 Minuten. Die Route führt in der Regel an Dursey Island entlang, bevor sie drei den Kräften des Ozeans völlig ausgesetzte Felseninseln erreicht: Calf Rock, Cow Rock und Bull Rock. Es handelt sich um einen Beobachtungsausflug mit dem Boot. Eine touristische Landung auf Bull Rock ist nicht vorgesehen, auch wenn die ehemalige Station über Anlegestellen verfügt, die ihrer Wartung vorbehalten sind.
Wenn Wellengang und Sicherheitsbedingungen es zulassen, kann das Boot einige natürliche Bögen entlang der Route durchqueren. Die Fahrt durch den Tunnel von Bull Rock sollte jedoch keinesfalls als garantiert gelten: Der Skipper passt die Route an Wind, Wellen und Gezeiten an.
Bull Rock ist ungefähr 229 Meter lang und 165 Meter breit. Sein Gipfel ragt nahezu 93 Meter über das Meer. Seine fast senkrechten Flanken werden unablässig von den Wellen umspült und bieten der Vegetation kaum Halt.
Die wichtigste Besonderheit der Insel ist ihr Meerestunnel. Diese gewaltige natürliche Öffnung durchquert den Felsen vollständig und eröffnet vom Boot aus einen eindrucksvollen Blick auf den Ozean. Mitunter wird er the Entrance to the Underworld, „der Eingang zur Unterwelt“, genannt – eine Bezeichnung, die die geheimnisvolle Atmosphäre des Ortes noch verstärkt.
Je nach Licht verändert sich der Eindruck von Bull Rock ständig. Bei klarem Wetter nehmen die Felswände graue und ockerfarbene Nuancen an, während sich der Leuchtturm deutlich auf dem Kamm abzeichnet. Unter einem dunkleren Himmel wird die Insel zu einer fast schwarzen Masse, umgeben von Gischt und tief hängenden Wolken.
Der erste große Leuchtturm in diesem Gebiet stand nicht auf Bull Rock, sondern auf der benachbarten Insel Calf Rock. Sein Metallturm wurde 1866 in Betrieb genommen. Trotz Verstärkungsarbeiten hielt er einem heftigen Sturm nicht stand: Am 27. November 1881 brach der obere Teil des Bauwerks ab und stürzte ins Meer.
Daraufhin wurde am westlichen Ende von Dursey Island ein provisorisches Leuchtfeuer eingerichtet. Bereits 1882 wählten die für die maritime Signalgebung zuständigen Behörden Bull Rock als Standort für eine neue dauerhafte Station.
Die Bauarbeiten waren besonders schwierig. Bergleute und Arbeiter mussten die Felswand mithilfe von Seilen erklimmen, Hebevorrichtungen installieren und mehr als 300 Stufen in den Fels schlagen. Große Mengen Gestein wurden abgetragen, um ausreichend stabile Plattformen für den Turm, die Wohngebäude, Werkstätten und technischen Anlagen zu schaffen.
Die Station wurde 1888 fertiggestellt. Der Leuchtturm und sein Nebelsignal gingen am 1. Januar 1889 offiziell in Betrieb, wodurch das provisorische Leuchtfeuer auf Dursey Island aufgegeben werden konnte.
Zur Station gehörten ein achteckiger Turm, Unterkünfte für die Wärter, eine Gaserzeugungsanlage, Winden und verschiedene Betriebsgebäude. Bei den auf Fotografien sichtbaren Bauten handelt es sich daher nicht um Höhlenhäuser, sondern um die Überreste und Anlagen dieser direkt auf dem Felsen errichteten Seestation.
Bis zum 31. März 1991 lebten und arbeiteten die Wärter auf Bull Rock; an diesem Tag wurde der Leuchtturm automatisiert. Anschließend wurde die Station ferngesteuert überwacht. Im Oktober 2000 wurde ihre Energieversorgung auf Solarenergie umgestellt.
Der Leuchtturm ist weiterhin in Betrieb. Sein Turm ist 15 Meter hoch, doch durch die erhöhte Lage der Insel befindet sich das Leuchtfeuer etwa 91 Meter über Hochwasser. Seine offizielle Tragweite beträgt 18 Seemeilen, also etwas mehr als 33 Kilometer.
Bull Rock und die benachbarten Felseninseln sind ein bedeutendes Refugium für Seevögel. Besonders zahlreich sind hier Basstölpel. Je nach Jahreszeit lassen sich auch Papageitaucher, Trottellummen und andere Arten beobachten, die in diesen fischreichen Gewässern nisten oder auf Nahrungssuche gehen.
Die Fahrt kann zudem Begegnungen mit Robben, Delfinen, Walen, Ottern oder Riesenhaien bereithalten. Diese Tiere leben in freier Wildbahn; ihr Vorkommen variiert je nach Jahreszeit, Wetter und Nahrungsangebot. Sichtungen können daher nicht garantiert werden.
Die Ausfahrten werden normalerweise von April bis September angeboten, sofern die Wetterbedingungen günstig sind. Die Abfahrtszeiten variieren je nach Tag und werden im Buchungskalender bekannt gegeben. Da die Kapazität auf 12 Passagiere pro Boot begrenzt ist, wird besonders im Sommer eine vorherige Buchung dringend empfohlen.
Es empfiehlt sich, 30 Minuten vor der Abfahrt am Garnish Pier einzutreffen. Am Hafen stehen öffentliche Parkplätze zur Verfügung. Toiletten befinden sich am Garnish Beach, etwa 300 Meter vom Anleger entfernt.
Auch bei schönem Wetter kann es sich auf See kühl anfühlen. Warme, winddichte Kleidung sowie eine gegen Gischt resistente Jacke sind empfehlenswert. An klaren Tagen ist auch Sonnenschutz sinnvoll. Wer zu Seekrankheit neigt, kann zudem vor der Abfahrt entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Die Ausflüge finden in halbstarren Schlauchbooten mit festen Sattelsitzen statt. Das Mindestalter beträgt 6 Jahre, und eine angemessene körperliche Verfassung ist erforderlich. Die Boote sind derzeit nicht für Rollstühle zugänglich. Darüber hinaus rät der Veranstalter Schwangeren sowie Personen mit Herz- oder Rückenproblemen von der Tour ab. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, das Unternehmen vor der Buchung zu kontaktieren.
Der Ausflug lässt sich mit der Erkundung von Dursey Island verbinden, die für ihre wilde Landschaft und ihre archäologischen Überreste bekannt ist. Auch die Dörfer Allihies und Castletownbere sind gute Ausgangspunkte, um diesen abgelegenen Teil des County Cork zu erkunden.
Die Küstenstraße der Beara-Halbinsel führt über Pässe, durch kleine Häfen und Landschaften, die deutlich weniger besucht sind als einige der großen Routen im Westen Irlands. Es ist daher sinnvoll, einen ganzen Tag für die Region einzuplanen und das Programm dennoch an die Bedingungen auf See anpassbar zu halten.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
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