An der Nordküste der Grafschaft Mayo wartet Céide Fields mit einer ungewöhnlichen Entdeckung auf. Unter einer mächtigen Torfschicht haben sich mit Blick auf den Atlantik die Spuren einer vor fast 6.000 Jahren angelegten Agrarlandschaft erhalten. Von Steinmauern begrenzte Felder, Siedlungsflächen und Megalithgräber zeugen von Gemeinschaften, die dieses Land bereits in der Jungsteinzeit bewirtschafteten.
Bei einem Besuch gilt es, diese offene Landschaft mit anderen Augen zu betrachten. Der größte Teil der Anlage erhebt sich nicht wie eine Burgruine sichtbar vor Ihnen, sondern liegt weiterhin unter der Erde verborgen. Das Besucherzentrum und die Erkundung des Geländes vermitteln, was das Moor bewahrt hat. Von den nahe gelegenen Klippen eröffnet sich zudem ein spektakulärer Blick auf den Ozean.
Bemerkenswert sind vor allem die Ausdehnung und das Alter des von Steinmauern gesäumten Feldsystems von Céide Fields. Heritage Ireland bezeichnet die Anlage als das größte steinzeitliche Monument der Welt und weist darauf hin, dass ihre über Hunderte Hektar verteilten Flurstücke zu den ältesten bekannten zählen.
Ihre Bedeutung beruht somit nicht auf einem einzelnen Monument, sondern auf einer planvoll gegliederten Landschaft. Die Überreste zeigen, wie jungsteinzeitliche Gemeinschaften den Raum für Landwirtschaft, Wohnstätten und Begräbnisplätze aufteilten. Die Mauern zeugen von einer beträchtlichen gemeinschaftlichen Leistung und einer dauerhaften Besiedlung des Gebiets.
Damals sah die Landschaft anders aus als die heutige Moorheide. Im Laufe der Zeit breitete sich das Moor aus und bedeckte die alten Anlagen. So entzog es sie dem Blick und trug zugleich zu ihrer Erhaltung bei. Gerade diese Überlagerung einer lebendigen Umwelt mit einer verborgenen archäologischen Landschaft macht Céide Fields so einzigartig.
In den 1930er-Jahren bemerkte der Lehrer Patrick Caulfield aus Belderrig beim Torfstechen Ansammlungen von Steinen. Ihre Anordnung schien ihm nicht mit einem rein natürlichen Phänomen vereinbar: Offenbar gehörten sie zu Bauwerken, die bereits vor der Entstehung des Moores angelegt worden waren.
Mehrere Jahrzehnte später griff sein Sohn Seamus Caulfield, der inzwischen Archäologe geworden war, diese Beobachtungen auf und begann mit Untersuchungen. Nach und nach brachten die Forschungen ein weitläufiges System aus Mauern und weitere Spuren menschlicher Besiedlung ans Licht. Aus einer lokalen Kuriosität wurde so eine bedeutende Entdeckung für die Erforschung der ersten bäuerlichen Gemeinschaften Irlands.
Die Geschichte der Stätte zeigt, dass Archäologie manchmal mit einer ganz konkreten Frage beginnt: Warum liegen diese Steine hier, und weshalb sind sie auf diese Weise angeordnet? In Céide Fields veränderte diese Frage das Verständnis einer ganzen Landschaft.
Eine Besonderheit der Forschungen ist der Einsatz von Sonden, mit denen die Steine unter dem Torf lokalisiert werden. Indem die Forschenden Widerstandspunkte erfassen und in einen Plan eintragen, können sie verborgene Mauerverläufe verfolgen, ohne das Gelände vollständig freizulegen.
Diese Methode hilft, das Ausmaß des Feldsystems zu erfassen und zugleich die Eingriffe in das Moor zu begrenzen. Ausgrabungen und Umweltstudien ergänzen anschließend die gewonnenen Erkenntnisse. Die Stätte erschließt sich daher ebenso durch die Forschungsergebnisse wie durch die sichtbaren Überreste.
Das Besucherzentrum ist an seiner pyramidenförmigen Silhouette zu erkennen und bietet einen guten Einstieg. Es vermittelt die nötigen Anhaltspunkte, um zwischen der heutigen Landschaft und jener der jungsteinzeitlichen Bauern zu unterscheiden und nachzuvollziehen, wie die Archäologen deren Spuren wiederentdeckten.
Nehmen Sie sich für diese erste Etappe Zeit, bevor Sie ins Freie gehen. Ohne Erläuterungen mögen einzelne Mauerabschnitte oder Steinreihen unscheinbar wirken. In ihren Zusammenhang eingeordnet, werden sie zu Bestandteilen eines wesentlich größeren Ganzen: zu Feldgrenzen, zur Gliederung einer Siedlung und zu Hinweisen auf eine Gemeinschaft, die sich auf diesem Land niedergelassen hatte.
Der Besuch ist besonders für Reisende interessant, die sich für Vorgeschichte begeistern, aber auch für alle, die mehr über die Entstehung der irischen Landschaften erfahren möchten. Mit Kindern bietet sich eine einfache Frage als Ausgangspunkt an: Wie findet man eine Mauer, die man nicht sehen kann? Sie gibt der Entdeckungstour einen roten Faden.
Das Außengelände führt die Ausstellung fort. Eine Führung hilft, sofern sie angeboten wird, die sichtbaren Elemente mit den verborgenen Strukturen in Verbindung zu bringen. Erkundigen Sie sich am Empfang nach den Startzeiten und den aktuellen Bedingungen.
Erwarten Sie weder eine vollständig freigelegte Siedlung noch eine Abfolge von „Altären“ und Steinkreisen. Die eigentliche Bedeutung von Céide Fields liegt in seiner historischen Agrarlandschaft, von der nur ein Teil freigelegt ist. Mit diesem Wissen lässt sich die Stätte realistisch einordnen und ihr wissenschaftlicher Wert besser erfassen.
Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen und versetzen Sie keine Steine. Das Moor ist sowohl ein empfindlicher Lebensraum als auch ein archäologischer Kontext: Seine Überreste dürfen nicht als Einzelobjekte betrachtet werden, die unabhängig vom umgebenden Gelände sind.
Die Küstenlandschaft ist ein wesentlicher Teil des Erlebnisses. In der Nähe der Stätte bietet ein angelegter Aussichtspunkt einen Blick auf etwa 110 Meter hohe Klippen und ihre Felsformationen. Nach den Spuren der ersten Bauern richtet sich der Blick hier auf eine weitaus ältere geologische Geschichte.
Nutzen Sie die vorgesehenen Beobachtungsbereiche und halten Sie Abstand zu ungesicherten Kanten. Versuchen Sie bei starkem Wind nicht, durch Annäherung an den Abgrund einen besseren Blickwinkel zu finden: Das Panorama lässt sich von den angelegten Zugängen aus genießen.
Planen Sie etwa 1,5 bis 2 Stunden ein, um das Besucherzentrum zu erkunden, gegebenenfalls an einer Führung durch das Außengelände teilzunehmen und die Landschaft zu genießen. Diese Zeitangabe dient lediglich als Orientierung: Passen Sie die Dauer Ihrem Interesse und dem vor Ort angebotenen Programm an.
Die Stätte liegt etwa 8 Kilometer westlich von Ballycastle an der R314. Sie lässt sich gut in einen Tag an Mayos Nordküste einbinden. Planen Sie dabei genügend Zeit für die Besichtigung ein, statt lediglich kurz vor dem Gebäude Halt zu machen.
Nehmen Sie feste Schuhe und eine wasserdichte Jacke mit, auch wenn Sie Ihren Besuch zunächst in der Ausstellung beginnen. Gelände und Wetter können den Aufenthalt im Freien weniger angenehm machen. Falls Ihre Mobilität eingeschränkt ist, wenden Sie sich vorab an das Besucherzentrum, um sich über die Zugangsmöglichkeiten zu informieren: Die Wege im Außengelände werden als uneben ausgewiesen.
Erkundigen Sie sich bei ungünstigem Wetter am Empfang, welche Bereiche im Freien noch zugänglich sind. Das Besucherzentrum bleibt sehenswert, doch das Erlebnis unterscheidet sich von einem Besuch, der Ausstellung, Gelände und Klippen miteinander verbindet. Um den Ort in seiner ganzen Vielfalt zu erleben, sollten Sie Ihre Reiseroute möglichst flexibel halten.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
54.305012, -9.457116
täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr
Informiere dich vor deiner Abreise über die Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen, besonders in der Hochsaison oder an irischen Feiertagen.
3,80 €