In den stillen Mooren des County Longford verbirgt sich eine außergewöhnliche archäologische Entdeckung: ein imposanter Holzweg, der 148 v. Chr. angelegt wurde. Im Corlea Trackway Visitor Centre ermöglicht ein originales Teilstück dieses über 2.000 Jahre alten Bohlenwegs eine Reise zurück ins Irland der Eisenzeit.
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Das Corlea Bog – Kevin King – cc
Wenige Kilometer vom Dorf Kenagh entfernt schützt das Corlea Trackway Visitor Centre eines der faszinierendsten Relikte der irischen Eisenzeit. Zu sehen ist ein authentischer Teil eines gewaltigen Holzdamms, der in einer Zeit angelegt wurde, als Moore ebenso schwer zu durchquerende wie symbolisch aufgeladene Landschaften waren.
Der vor Ort als Danes’ Road bekannte alte Weg gilt als die größte bislang in Europa entdeckte Konstruktion dieser Art. Ein 18 Meter langes Originalstück ist heute im Besucherzentrum ausgestellt.
Der Corlea-Bohlenweg wurde 1984 bei Arbeiten im Moor entdeckt. Archäologische Untersuchungen im folgenden Jahr offenbarten eine weit komplexere prähistorische Landschaft als erwartet. In diesem Feuchtgebiet waren mehrere hölzerne Verkehrswege angelegt worden, vermutlich um instabiles und schwer passierbares Gelände zu überwinden.
Der Hauptweg bestand aus schweren Eichenbohlen, die auf hölzernen Schienen lagen. Für seinen Bau mussten erhebliche Mengen an Material gefällt, bearbeitet und transportiert werden. Ein Projekt dieser Größenordnung setzt für jene Zeit eine besonders ausgefeilte gemeinschaftliche Organisation voraus.
Trotz dieses Aufwands scheint der Weg nur sehr kurze Zeit genutzt worden zu sein. Unter seinem eigenen Gewicht sank das Holz allmählich in den Torf ein. Dadurch wurde der Bohlenweg zwar unbrauchbar, zugleich aber über mehr als zwei Jahrtausende erhalten. Das feuchte, sauerstoffarme Milieu verlangsamte die Zersetzung des Eichenholzes und machte Corlea zu einer wahren Zeitkapsel.
Die genaue Funktion dieses Weges ist weiterhin umstritten. Er könnte den Transport von Menschen, Vieh oder Waren zwischen verschiedenen Gebieten erleichtert haben. Seine Ausmaße und die für seinen Bau erforderlichen Mittel lassen jedoch auch eine zeremonielle oder politische Funktion vermuten.
Einige Historiker sind der Ansicht, dass er Teil einer wichtigen Route gewesen sein könnte, die den Hill of Uisneach, das einstige rituelle Zentrum Irlands, mit dem königlichen Ort Rathcroghan im heutigen County Roscommon verband. Diese Deutung bleibt eine Hypothese, rückt Corlea jedoch in eine Landschaft, die von den Glaubensvorstellungen, Zusammenkünften und Herrschaftsstrukturen des vorchristlichen Irlands geprägt war.
Das Herzstück des Zentrums ist ein 18 Meter langes Teilstück des antiken Bohlenwegs. Es wird in einem eigens für seine Erhaltung konzipierten Raum präsentiert. So lassen sich die Anordnung der Bohlen, ihre beeindruckenden Maße und die von den Erbauern der Eisenzeit angewandten Techniken unmittelbar betrachten.
Die direkte Begegnung mit dem originalen Holz verleiht diesem Ort seine besondere Wirkung. Es handelt sich nicht um eine bloße dekorative Rekonstruktion, sondern um einen Teil der Struktur, den Männer und Frauen vor mehr als 2.000 Jahren nutzten.
Das Zentrum beleuchtet außerdem die Entdeckung des Fundorts, die Ausgrabungskampagnen und die Maßnahmen zur Erhaltung des Holzes. Audiovisuelle Medien und archäologische Erläuterungen vermitteln, wie Moore entstehen, welche Rolle sie bei der Konservierung organischer Materialien spielen und mit welchen Schwierigkeiten frühere Bevölkerungen bei ihrer Durchquerung konfrontiert waren.
Der Zugang zum Ausstellungsbereich und zum erhaltenen Bohlenweg ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Sie hilft dabei, das Relikt in seine Umgebung einzuordnen und gesicherte Erkenntnisse von den verschiedenen Hypothesen der Archäologen zu unterscheiden.
Corlea bietet ein völlig anderes Erlebnis als die großen monumentalen Sehenswürdigkeiten Irlands. Hier gibt es weder eine spektakuläre Burg noch Ruinen über dem Ozean: Der Reiz des Ortes liegt in einer unter dem Torf erhaltenen Holzkonstruktion und in dem, was sie über die Gesellschaft verrät, die sie errichtete.
Das Zentrum ist ein besonders interessanter Zwischenstopp für Liebhaber von Archäologie, früher Geschichte und Moorlandschaften. Der leicht zugängliche Rundgang eignet sich auch für Familien, die die Eisenzeit anhand eines konkreten Relikts entdecken möchten.
Am Standort gibt es unter anderem einen Picknickplatz, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und barrierefreie Toiletten. Hunde sind in den Außenbereichen erlaubt, sofern sie angeleint sind.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
à Keenagh,
53.612515, -7.845447
Der Zugang zum Zentrum und zum archäologischen Bohlenweg ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Es empfiehlt sich, die Öffnungszeiten vor dem Besuch zu überprüfen, insbesondere vor der saisonalen Schließung oder an irischen Feiertagen.
Informiere dich vor deiner Abreise über die Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen, besonders in der Hochsaison oder an irischen Feiertagen.