Ein im 19. Jahrhundert geborenes Hai auf einem Strand in Irland entdeckt
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Ein im 19. Jahrhundert geborenes Hai auf einem Strand in Irland entdeckt

von Gwen LE COINTRE
Le requin échoué en Irlande serait né au XIXeme siecle

Eine Entdeckung, die selbst die Wissenschaft überraschte. Ein Grönlandhai, eine der geheimnisvollsten Haiarten der Welt, wurde an einem Strand im County Sligo im Nordwesten Irlands angespült. Das Ereignis ist außergewöhnlich: Es handelt sich um das erste offiziell dokumentierte Strandung dieser Art an der irischen Küste.

Der Grönlandhai (Somniosus microcephalus) fasziniert Biologen seit Jahrzehnten. Er lebt in den eisigen Tiefen des Nordatlantiks und der Arktis und ist in seinem natürlichen Lebensraum nahezu unmöglich zu beobachten. Seine außergewöhnliche Lebensdauer, die über 400 Jahre und nach einigen wissenschaftlichen Schätzungen bis zu etwa 500 Jahre erreichen kann, macht ihn zum ältesten bekannten Wirbeltier der Erde.

Die Entdeckung in Sligo eröffnet somit ein seltenes Forschungsfenster zu einer noch weitgehend unbekannten Art.

Eine außergewöhnliche Entdeckung an der Westküste Irlands

Die erste dokumentierte Strandung im Land

Der Hai wurde an der Küste von Finisklin im County Sligo von zwei Spaziergängern entdeckt, die zunächst dachten, es handele sich um einen Riesenhai, eine in irischen Gewässern wesentlich häufigere Art.

Nach der Auswertung der Fotos identifizierten Experten der Irish Whale and Dolphin Group schnell einen Grönlandhai, eine in diesem Teil Europas äußerst seltene Art.

Die Nachricht mobilisierte sofort mehrere irische Organisationen. Das National Museum of Ireland, der County Council von Sligo, Veterinärdienste und das Landwirtschaftsministerium organisierten eine umfangreiche Aktion, um das Tier zu bergen, bevor die Gezeiten es fortspülen konnten.

Das etwa drei Meter lange Exemplar wurde anschließend in die Labore des Museums gebracht, wo es nun eingehend untersucht wird.

Das älteste bekannte Wirbeltier der Erde

Ein Tier, das die Zeit herausfordert

Was den Grönlandhai so faszinierend macht, ist vor allem seine unglaubliche Lebenserwartung. Im Gegensatz zu den meisten großen Haien, die nur einige Jahrzehnte alt werden, folgt diese Art einem völlig anderen Lebensrhythmus.

Forscher schätzen, dass einige Individuen über vier Jahrhunderte alt werden. Die ältesten untersuchten Exemplare könnten sogar mehr als fünfhundert Jahre alt sein. Anders gesagt, einige Grönlandhaie schwammen bereits in den Ozeanen, als Christoph Kolumbus den Atlantik überquerte.

Diese außergewöhnliche Langlebigkeit erklärt sich vor allem durch einen extrem langsamen Stoffwechsel, der an die sehr kalten arktischen Gewässer angepasst ist.

Warum ein drei Meter langer Hai noch „jung“ sein kann

Eines der langsamsten Wachstumstempo im Tierreich

Der in Irland gefundene Hai war fast drei Meter lang. Eine beeindruckende Größe, die jedoch nicht unbedingt auf ein hohes Alter schließen lässt.

Wissenschaftler schätzen, dass er etwa 150 Jahre alt gewesen sein könnte. Das erscheint aus menschlicher Sicht enorm, doch wäre dieses Individuum erst nahe seiner Geschlechtsreife gewesen.

Bei dieser Art beginnen Männchen und Weibchen in der Regel erst mit etwa 150 Jahren sich fortzupflanzen. Ihr Wachstum ist so langsam, dass sie jährlich nur wenige Millimeter bis etwa einen Zentimeter zulegen.

Diese Lebensstrategie macht die Art besonders verletzlich: Wenn ein Individuum stirbt, dauert es mehrere menschliche Generationen, bis es ersetzt werden kann.

Wie bestimmen Wissenschaftler sein Alter?

Das Geheimnis liegt in seinen Augen

Das Alter eines Fisches zu bestimmen ist oft relativ einfach anhand von Strukturen in Knochen oder Flossen. Beim Grönlandhai ist die Methode jedoch völlig anders.

Forscher analysieren die Linse des Auges, ein Gewebe, das vor der Geburt gebildet wird und sich kaum erneuert. Mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung (C14) lässt sich das Alter des Tieres mit ausreichender Genauigkeit schätzen, um seine Lebensgeschichte zu rekonstruieren.

Diese Technik hat das Wissen über die Art revolutioniert und bestätigt, dass der Grönlandhai wahrscheinlich den Weltrekord in Sachen Langlebigkeit unter Wirbeltieren hält.

Ein Bewohner der Tiefsee, der fast unsichtbar ist

Warum wird er so selten beobachtet?

Der Grönlandhai lebt meist in Tiefen zwischen mehreren hundert und über zweitausend Metern, in Gewässern, deren Temperatur nahe null Grad Celsius liegt.

Er bewegt sich langsam, oft mit weniger als zwei Kilometern pro Stunde, weshalb er manchmal als der langsamste Hai der Welt gilt.

Trotz dieser scheinbaren Langsamkeit kann er überraschend schnelle Beute fangen. Studien zeigen, dass er sich von Fischen, Tintenfischen, Kadavern von Meeressäugern und sogar von Robben ernähren kann, die vermutlich im Schlaf überrascht werden.

Seine zurückhaltende Lebensweise erklärt, warum Beobachtungen selbst in seinen natürlichen Verbreitungsgebieten äußerst selten sind.

Warum strandete dieser Hai in Irland?

Eine Frage, die Forscher beschäftigt

Bislang wissen Wissenschaftler nicht genau, warum dieses Tier an einem Strand im County Sligo landete.

Mehrere Hypothesen werden diskutiert: Krankheit, Verletzung, Orientierungsprobleme oder altersbedingte Schwäche.

Die Autopsie, die vom National Museum of Ireland durchgeführt wird, soll helfen, die Todesumstände besser zu verstehen. Die Forscher hoffen zudem, Informationen über seine Ernährung, seinen Gesundheitszustand, sein genetisches Erbe und mögliche Schadstoffe in seinem Körper zu gewinnen.

Jedes Exemplar dieser Art ist eine außergewöhnliche wissenschaftliche Chance, da Beobachtungen so selten sind.

Eine wichtige Entdeckung für die irische Biodiversität

Ein neues Kapitel für die Meeresforschung

Diese Entdeckung ist nicht nur eine spektakuläre Meldung, sondern bereichert auch das Wissen über die irische Meeresfauna.

Das National Biodiversity Data Centre hatte bisher keine bestätigte Strandung eines Grönlandhais an den Küsten Irlands verzeichnet. Dieses Exemplar wird somit zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Referenz für die kommenden Jahre.

Die entnommenen Gewebeproben werden aufbewahrt, um zukünftige Forschungen zu ermöglichen, während das Museum hofft, diesen Hai eines Tages der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Kann man in Irland Haie begegnen?

Ja, aber nicht diesen

Irland beherbergt über vierzig Haiarten, die meisten leben jedoch vor der Küste oder in der Tiefe.

Der bekannteste ist der Riesenhai, der zweitgrößte Fisch der Welt nach dem Walhai. Für den Menschen ungefährlich, kommt er regelmäßig zwischen Frühling und Herbst zum Planktonfressen vor die Küsten von Donegal, Kerry, Clare und Cork.

Der Grönlandhai hingegen bleibt nahezu unsichtbar. Seine Präsenz in den tiefen Gewässern des Nordatlantiks erklärt, warum Begegnungen äußerst selten sind.

Eine Art voller Geheimnisse

Ein stiller Riese der Ozeane

Rund um den Grönlandhai gibt es noch viele offene Fragen. Wissenschaftler wissen zum Beispiel nicht genau, wie groß seine Population ist, wie sich seine Wanderungen im Jahresverlauf gestalten oder welche Auswirkungen der Klimawandel auf seinen Lebensraum hat.

Die Strandung im County Sligo ist daher weit mehr als eine Kuriosität. Sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Wissen über eine Art zu vertiefen, die bereits in den Ozeanen lebte, lange bevor viele moderne Staaten entstanden.

Für Irland erinnert diese Entdeckung auch an den außergewöhnlichen Reichtum der Gewässer rund um die Insel. Hinter Klippen, Stränden und wilden Landschaften verbirgt sich eine noch weitgehend unerforschte Meereswelt, in der einige Lebewesen wie aus einer anderen Zeit erscheinen.