Ein irischer mittelalterlicher Schatz kehrt nach 40 Jahren erstmals in seine Heimat zurück
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Ein irischer mittelalterlicher Schatz kehrt nach 40 Jahren erstmals in seine Heimat zurück

von Gwen LE COINTRE
Annales d'Inisfallen, folio 34r – Bodleian Libraries, University of Oxford / Wikimedia Commons – Domaine public

Wikinger, Kometen, Stürme und sogar die unwahrscheinliche Ankunft eines Kamels in Irland: Die Annalen von Inisfallen haben die Jahrhunderte überdauert. Dieses kostbare mittelalterliche Manuskript, das mit den Mönchen von Killarney verbunden ist, kehrt nun erstmals seit 40 Jahren nach Irland zurück.

Es ist eines der wertvollsten schriftlichen Zeugnisse des mittelalterlichen Irlands. Die Annalen von Inisfallen, ein Manuskript aus 57 Pergamentblättern, das eng mit den Mönchen von Killarney verbunden ist, kehren für eine außergewöhnliche Ausstellung nach Irland zurück. Das Originaldokument wird seit mehr als 250 Jahren an der Universität Oxford aufbewahrt und nun erstmals seit 40 Jahren wieder dem irischen Publikum präsentiert.

Wikinger, Normannen, Stürme, Kometen und Ereignisse auf Skellig Michael: Seite für Seite erzählt das Manuskript mehr als ein Jahrtausend irischer Geschichte. Einige Einträge wurden genau zu der Zeit verfasst, als die beschriebenen Ereignisse stattfanden – was ihnen einen außergewöhnlichen historischen Wert verleiht.

Die Annalen von Inisfallen kehren ausnahmsweise nach Irland zurück

Das Originalmanuskript wird in Cork ausgestellt

Ab dem 2. September 2026 können Besucher die originalen Annalen von Inisfallen am University College Cork (UCC) im Rahmen einer Ausstellung im Glucksman besichtigen.

Die Ausstellung mit dem Titel Recording the Past: The Annals of Inisfallen and the Making of Irish History ist zwei Monate lang, bis zum 1. November 2026, zugänglich.

Die Veranstaltung ist außergewöhnlich: Es handelt sich um die erste öffentliche Präsentation des Manuskripts in Irland seit 40 Jahren.

Das Dokument wird gewöhnlich in der Bodleian Library der Universität Oxford aufbewahrt, die es seit mehr als 250 Jahren verwahrt.

Für diese Ausstellung ist das Original nach Cork gereist und wird in einer eigens eingerichteten Vitrine gezeigt. Eine digitale Version erleichtert Besuchern zudem die Erkundung seines Inhalts.

Was sind die Annalen von Inisfallen?

57 Pergamentblätter erzählen die Geschichte Irlands

Die Annalen von Inisfallen sind ein gebundenes Manuskript aus lediglich 57 Pergamentblättern. Hinter diesem vergleichsweise bescheidenen Umfang verbirgt sich jedoch eine der bedeutendsten schriftlichen Quellen zum Verständnis des mittelalterlichen Irlands.

Die Texte sind in Latein und Irisch verfasst und bestehen aus einer chronologisch geordneten Folge von Ereignissen.

Die Annalen befassen sich mit der Geschichte Irlands insgesamt, räumen jedoch dem Munster einen besonders wichtigen Platz ein.

Ihre Erzählung erstreckt sich über mehr als tausend Jahre – von einer Zeit vor der Ankunft des heiligen Patrick bis zu den letzten Ergänzungen im 15. Jahrhundert.

Sie verzeichnen ebenso den Tod bedeutender Persönlichkeiten wie Konflikte, Invasionen, Naturphänomene oder Ereignisse, die so außergewöhnlich waren, dass die Schreiber es für nötig hielten, sie festzuhalten.

Ein Manuskript mit enger Verbindung zu den Mönchen von Killarney

Die Annalen wurden auf Inisfallen Island aufbewahrt

Der Name des Manuskripts geht auf Inisfallen Island zurück, eine kleine Insel im Lough Leane, dem größten der Seen von Killarney.

Die Ruinen eines ehemaligen Klosters sind dort noch heute im Herzen des Killarney-Nationalparks zu sehen.

Die genaue Geschichte des Manuskripts ist jedoch komplexer als die einer vollständig auf dieser Insel entstandenen Schrift.

Fachleute gehen davon aus, dass sein erster Teil wahrscheinlich im Kloster von Lismore im County Waterford abgeschrieben wurde, wobei unter anderem Dokumente aus den Religionsgemeinschaften von Clonmacnoise und Emly verwendet wurden.

Zwischen 1130 und 1159 soll das Manuskript dann in ein Kloster im Westen von Munster überführt worden sein, höchstwahrscheinlich nach Inisfallen.

Ein großer Teil der späteren Einträge wird daher mit den Mönchen in Verbindung gebracht, die in dieser Region lebten.

Wikinger und Skellig Michael erscheinen in den Annalen

Die Mönche hielten die Ereignisse ihrer Zeit fest

Die Annalen von Inisfallen sind nicht bloß eine Chronologie von Königen und Geistlichen.

Das Manuskript berichtet auch von einigen der gewaltsamen Ereignisse, die das mittelalterliche Irland prägten, darunter Wikingerüberfälle und die Ankunft der Normannen.

Zu den erwähnten Orten gehört sogar Skellig Michael, die spektakuläre Klosterinsel vor der Küste Kerrys.

Religiöse Gemeinschaften an den irischen Küsten und auf den Inseln waren Überfällen vom Meer besonders stark ausgesetzt. Die Annalen bewahren so die Erinnerung an eine Zeit, in der sich einige der heute friedlichsten und touristischsten Orte Irlands inmitten einer besonders bewegten Epoche befanden.

Kometen und „großer Schnee“: Die Mönche notierten auch das Wetter

Manche Ereignisse wirken erstaunlich vertraut

Die Schreiber interessierten sich auch für ungewöhnliche Naturphänomene.

So erwähnen die Annalen das Erscheinen von Kometen und mehrere bemerkenswerte Wetterereignisse.

Dazu gehört insbesondere ein „großer Schnee“ im Jahr 1047.

Für Historiker sind solche Einträge besonders wertvoll. Über Schlachten und politische Machtwechsel hinaus vermitteln sie einen Eindruck davon, was die Menschen des Mittelalters für außergewöhnlich genug hielten, um schriftlich für die Jahrhunderte festgehalten zu werden.

Ein schottischer König soll Irland sogar ein Kamel geschenkt haben

Eine der erstaunlichsten Anekdoten des Manuskripts

Dies ist vermutlich eine der ungewöhnlichsten Informationen, die in den Annalen von Inisfallen überliefert sind.

Im Jahr 1105 berichten die Schreiber, dass ein schottischer König einem Urenkel von Brian Boru ein Kamel geschenkt haben soll.

Die Anwesenheit eines solchen Tieres im Irland des 12. Jahrhunderts musste selbstverständlich Aufmerksamkeit erregen.

Diese einfache Erwähnung veranschaulicht auch den Reiz der Annalen: Neben großen politischen Ereignissen erscheinen bisweilen unerwartete Details, die der mittelalterlichen Geschichte eine weitaus menschlichere Dimension verleihen.

Etwa dreißig Personen waren an ihrer Niederschrift beteiligt

Generationen von Schreibern folgten aufeinander

Die Annalen von Inisfallen sind nicht das Werk eines einzigen Autors.

Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert führten verschiedene Personen die Arbeit nacheinander fort. Forschende haben die Beiträge von etwa 30 Schreibern identifiziert.

Diese Besonderheit ist wesentlich: Für einen Teil dieses Zeitraums sind die Annalen nicht mehr nur eine Zusammenstellung früherer Ereignisse.

Die Schreiber hielten Geschehnisse aus ihrer eigenen Zeit fest. Für bestimmte Epochen wird das Dokument damit zu einem zeitgenössischen Zeugnis der geschilderten Ereignisse.

Die letzten Ergänzungen führten die historische Erzählung schließlich bis ins 15. Jahrhundert fort.

Die Annalen von Inisfallen sind auch ein Schatz der irischen Sprache

Das Manuskript dokumentiert den Übergang vom Lateinischen zum Irischen

Der Wert des Dokuments beschränkt sich nicht auf die politische oder religiöse Geschichte.

Es ist auch eine besonders wichtige Quelle für Fachleute der irischen Sprache.

Das Manuskript verbindet nämlich Latein und Irisch und belegt nach und nach die Verwendung des Irischen als Sprache des Wissens und der Geschichtsvermittlung.

Die sprachlichen Besonderheiten bestimmter Teile der Annalen ermöglichen es Forschenden noch heute, die Entwicklung der Sprache im Mittelalter zu untersuchen.

Wie gelangte das Manuskript nach Oxford?

Die Annalen verließen Irland vor mehreren Jahrhunderten

Nach mehreren Jahrhunderten in den Religionsgemeinschaften von Munster wird die Spur des Manuskripts wesentlich schwerer nachzuverfolgen.

Bekannt ist, dass es schließlich in die Sammlung von Sir James Ware gelangte, einem irischen Historiker und Politiker, der 1666 starb.

Anschließend erwarb es Richard Rawlinson, ein bedeutender britischer Sammler von Manuskripten im 18. Jahrhundert.

Nach seinem Tod vermachte Rawlinson seine umfangreiche Sammlung der Bodleian Library der Universität Oxford.

Die Annalen von Inisfallen werden dort seit mehr als 250 Jahren unter der Signatur Rawlinson B. 503 aufbewahrt.

Ihre vorübergehende Rückkehr nach Cork im Jahr 2026 ist daher ein besonders seltenes kulturhistorisches Ereignis.

Kann man Inisfallen Island bei Killarney noch besuchen?

Die Insel, auf der die Annalen aufbewahrt wurden, existiert noch immer

Für Reisende besitzt die Geschichte des Manuskripts eine faszinierende Besonderheit: Ihre Kulisse existiert noch heute.

Inisfallen Island liegt im Lough Leane, im Herzen des Killarney-Nationalparks. Die Insel bewahrt die Ruinen ihrer ehemaligen Abtei und zählt heute zu den außergewöhnlichsten historischen Stätten an den Seen von Killarney.

Sie ist weder über eine Straße noch über eine Brücke mit dem Ufer verbunden. Daher ist sie nur per Boot erreichbar.

Der Besuch der Annalen von Inisfallen in Cork lässt sich somit mit einem Besuch von Killarney und jener Insel verbinden, deren Namen sie noch immer tragen. So kann dieses außergewöhnliche Dokument wieder in jene Landschaft eingeordnet werden, in der sich ein Teil seiner Geschichte abspielte.

Preise

Wie viel kostet die Ausstellung der Annalen von Inisfallen?

  • Ausstellung: freier Eintritt ins Glucksman.
  • University College Cork: Der Zugang zum Campus und zum Museum ist während der Öffnungszeiten frei.

Für bestimmte Veranstaltungen oder Führungen im Rahmen der Ausstellung kann jedoch eine vorherige Reservierung erforderlich sein.

Öffnungszeiten

Wann sind die Annalen von Inisfallen in Cork zu sehen?

  • Beginn der Ausstellung: 2. September 2026.
  • Ende der Ausstellung: 1. November 2026.
  • Ort: The Glucksman, University College Cork, Cork.

Das Original der Annalen von Inisfallen wird während der gesamten Ausstellungsdauer in einer Vitrine präsentiert. Eine digitale Version des Manuskripts steht Besuchern ebenfalls zur Verfügung.

Hauptquellen: RTÉ News, University College Cork und CELT – Corpus of Electronic Texts.

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