Irland, Land der Legenden und alten Geschichten, birgt jahrtausendealte Geheimnisse, von denen einige in seinen Torfmooren verborgen sind. Eines dieser Rätsel ist der Cashel-Mann, eine außergewöhnliche archäologische Entdeckung, die einen seltenen Einblick in das Leben und die Glaubensvorstellungen der Bronzezeit in Irland bietet. Entdeckt in einem irischen Torfmoor, wurde sein Körper durch das einzigartige Biotop, in dem er ruhte, auf natürliche Weise mumifiziert. Ein archäologischer Schatz, der Geschichts- und Archäologieliebhaber immer wieder fasziniert!

Cashel-Mann
Die Entdeckung des Cashel-Manns geht auf das Jahr 2011 zurück, als Jason Phelan, ein Mitarbeiter von Bord na Mona, einen ungewöhnlichen Körper im Torfmoor Cúl na Móna im County Laois in Irland entdeckt.
Nach weiteren Untersuchungen wurde eine Leiche aus dem Torfmoos geborgen: Sie lag auf der rechten Seite in Embryonalstellung. Der Kopf fehlt, und der Torso wurde durch die Kompression im Moor stark beschädigt. Die Beine sind angezogen, und der Körper war von zwei Haselzweigen umgeben.
Die Haut hingegen ist erstaunlich gut erhalten!
Für die Forscher steht fest: Dieser Körper ist sehr alt und wird Teil der Sammlung der Moorleichen, die bereits im Nationalmuseum Dublin ausgestellt sind!
Es begann eine langwierige Arbeit: Wissenschaftler führten zahlreiche Proben durch und untersuchten den geheimnisvollen Körper.
Wer war er? Warum befand er sich in diesem Torfmoor bei Cashel?
Nach monatelanger Forschung und dank moderner Technologien konnten die Forscher einen Teil des Rätsels lösen.
So weiß man heute, dass der Cashel-Mann zwischen 20 und 25 Jahre alt war und um 2000 v. Chr. in der Bronzezeit lebte, was ihn zu einem der ältesten Moorleichen Europas macht.
Er war ein König: Zahlreiche Beweise sprechen dafür, darunter die Art seiner Bestattung und seine Ernährung, die hauptsächlich aus Fleisch bestand.
Er wurde vermutlich von seinen eigenen Untertanen ermordet, nachdem eine schlechte Ernte eingetreten war. Im heidnischen Irland jener Zeit glaubte man fest daran, dass der landwirtschaftliche Erfolg vom Wohlwollen einer Göttin abhing. Eine schlechte Ernte bedeutete, dass die Göttin unzufrieden war – und es war notwendig, den König zu opfern, um die Gottheit zu besänftigen!
Genau das geschah dem Cashel-Mann, der gewaltsam für eine Ernte getötet wurde, für die er nicht verantwortlich war.
Denn laut Forschern erlebte Irland damals einen tiefgreifenden Klimawandel, der den Ackerbau erschwerte. Die ganze Insel durchlebte eine Zeit der Hungersnot und großer Existenznot.
Dieses Phänomen, kombiniert mit der Unzufriedenheit des Volkes, führte zum Tod des Cashel-Manns bei einem rituellen Opfer.
Und dieser Tod war besonders brutal!
Obwohl in Irland viele Moorleichen gefunden wurden, ist der Cashel-Mann etwas Besonderes. Zum einen, weil seine Radiokarbondatierung ihn zur ältesten Moorleiche Europas macht.
Zum anderen ist er die einzige Moorleiche mit so gut erhaltener Haut.
Die Entdeckung des Cashel-Manns hat auch das Verständnis der vorchristlichen Geschichte Irlands maßgeblich beeinflusst. Durch wertvolle Informationen über Ernährung, Gesundheit und sogar Mode jener Zeit half der Cashel-Mann Historikern und Archäologen, ein klareres Bild der alten Gesellschaft zu zeichnen.