Die Scots-Irish, auch Ulster Scots genannt, bezeichnen protestantische Siedler aus Schottland, die sich im 17. Jahrhundert während der englischen Kolonisation in Ulster niederließen und im 17. und 18. Jahrhundert in großer Zahl nach Nordamerika auswanderten.
Im Gegensatz zu den später folgenden katholischen Einwanderungswellen waren die Scots-Irish überwiegend presbyterianisch. Aufgrund religiöser Verfolgung und wirtschaftlicher Ausgrenzung in Irland machten sie sich auf den Weg in die Neue Welt.
Im 18. Jahrhundert erlebte Ulster eine Reihe von Krisen: schlechte Landbewirtschaftung, Diskriminierung der Presbyterianer durch die anglikanische Staatskirche, Steuerdruck und landwirtschaftliche Misserfolge. Für viele Familien bedeutete Amerika eine Verheißung von Freiheit und Wohlstand.
Die Auswanderungswelle nahm zwischen 1710 und 1770 zu. Schätzungsweise 200.000 Scots-Irish überquerten den Atlantik, um sich in den britischen Kolonien Amerikas niederzulassen.
Bei ihrer Ankunft zogen die Scots-Irish vor allem in Grenzregionen wie Pennsylvania, Virginia und die Appalachen. Sie wurden zu Pionieren, die Bauernhöfe und Dörfer in noch wenig erschlossenen Gebieten gründeten.
Ihre presbyterianische Kultur und ihr Freiheitsdrang prägten die Identität dieser Regionen. Sie waren bekannt für ihre Widerstandskraft, ihre Bindung an die Religionsfreiheit und ihren Gemeinschaftssinn.
Während des Unabhängigkeitskriegs (1775–1783) gehörten die Scots-Irish zu den aktivsten Unterstützern der revolutionären Sache. Ihre Tradition des Widerstands gegen die englische Autorität in Irland machte sie empfänglich für die Seite der Aufständischen.
Tausende von ihnen dienten in Milizen und der Kontinentalarmee und trugen maßgeblich zum amerikanischen Sieg bei.
Die Scots-Irish hinterließen einen bleibenden Eindruck in den Vereinigten Staaten. Viele US-Präsidenten, darunter Andrew Jackson, hatten Scots-Irish-Wurzeln. Ihr Einfluss zeigt sich auch in der Folkmusik (Vorläufer von Country und Bluegrass), in der Kultur der Appalachen und in den protestantischen religiösen Traditionen Amerikas.
Heute bekennen sich Millionen Amerikaner zu ihren Scots-Irish-Vorfahren. Ihr Erbe ist ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Identität, oft symbolisiert durch den Geist der Grenze, Freiheit und Widerstandskraft.