Im Herzen der mittelalterlichen Stadt Kilkenny erhebt sich an den Ufern des Nore eine mächtige Silhouette. Mit seinen drei Rundtürmen, Prunkräumen und dem weitläufigen Park zählt Kilkenny Castle zu den bemerkenswertesten historischen Bauwerken Irlands.
Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtete ehemalige anglo-normannische Festung wurde über Generationen hinweg in einen eleganten Adelssitz verwandelt. Bei einem Besuch durchquert man fast acht Jahrhunderte irischer Geschichte – von den ersten normannischen Eroberungen bis zur viktorianischen Zeit.
Kilkenny Castle nimmt eine strategische Lage auf einer Anhöhe über einem alten Übergang über den Nore ein. Rund um seine Mauern entstand ein Teil der mittelalterlichen Stadt, die heute für ihre Gassen, alten Häuser und Sakralbauten bekannt ist.
Zunächst beeindruckt das Schloss durch seine Architektur. Seine Rundtürme und mächtigen Mauern zeugen von seiner wehrhaften Vergangenheit, während die Salons, Schlafzimmer und die Gemäldegalerie eine kultiviertere Geschichte erzählen: jene der mächtigen Familie Butler, die hier fast sechs Jahrhunderte lang lebte.
Anders, als sein Erscheinungsbild vermuten lässt, ist das heute sichtbare Bauwerk nicht im Mittelalter stehen geblieben. Es wurde mehrfach erweitert, umgestaltet und restauriert und bildet ein wahres architektonisches Gefüge, in dem sich mittelalterliches Erbe, gotische Einflüsse und viktorianische Ausstattung vereinen.
Der heutigen Burg soll eine erste Befestigung aus Holz vorausgegangen sein. Sie diente dazu, den Übergang über den Nore sowie die Handelswege zwischen Kilkenny und dem übrigen Südosten Irlands zu kontrollieren.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ließ der mächtige anglo-normannische Lord William Marshal, Earl of Pembroke, eine steinerne Festung errichten. Die Burg besaß damals vier Rundtürme, die durch starke Kurtinenmauern miteinander verbunden waren. Drei dieser Türme sind bis heute erhalten.
Ihr Standort war keineswegs zufällig gewählt. Von dieser erhöhten Position aus konnten die Bewohner den Fluss überwachen, die Stadt verteidigen und ihre Autorität über ein besonders begehrtes Gebiet bekräftigen.
1391 erwarb James Butler, der dritte Earl of Ormond, die Burg. Sie wurde daraufhin zum wichtigsten irischen Wohnsitz der Familie Butler, einer der einflussreichsten Dynastien in der Geschichte des Landes.
Als Earls, Marquesses und später Herzöge von Ormond übten die Butlers beträchtliche Macht im Südosten Irlands aus. Ihre Nähe zur englischen Krone ermöglichte es ihnen, bedeutende politische und militärische Ämter zu bekleiden.
Fast 600 Jahre lang gestaltete jede Generation das Anwesen nach ihrem Geschmack und den Gepflogenheiten ihrer Zeit um. Die ehemalige mittelalterliche Festung verlor nach und nach ihre militärische Funktion und wurde zu einem weitläufigen Adelssitz.
Die Fassaden wurden verändert, neue Fenster eingebaut und die Innenräume umgestaltet. Diese Abfolge von Veränderungen erklärt den architektonischen Reichtum des heutigen Bauwerks.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Unterhalt eines so weitläufigen Anwesens zunehmend kostspielig. Politische Umbrüche, der Wandel der irischen Gesellschaft und die finanziellen Schwierigkeiten der Familie beschleunigten den Niedergang des Anwesens.
1935 verließen die Butlers Kilkenny. Möbel, Kunstgegenstände und ein Teil der Sammlungen wurden bei einer mehrtägigen Auktion verstreut. Anschließend blieb das Schloss etwa dreißig Jahre lang unbewohnt.
1967 übergab Arthur Butler, der sechste Marquess of Ormonde, das Schloss für den symbolischen Betrag von 50 Pfund an die Einwohner von Kilkenny. Dieser Betrag gab der Transaktion eine rechtliche Grundlage: Das Bauwerk wurde nicht tatsächlich verkauft, sondern übertragen, um seine Erhaltung zu sichern.
1969 ging das Schloss in die Verantwortung des irischen Staates über. Daraufhin wurden umfangreiche Forschungs-, Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten eingeleitet. Ab den 1970er-Jahren wurde das Bauwerk schrittweise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Gemäldegalerie von Kilkenny Castle – © BOULENGER Xavier
Der Rundgang durch das Innere zeigt weniger eine mittelalterliche Festung als einen großen Adelssitz des 18. und 19. Jahrhunderts. Die wichtigsten Räume wurden so restauriert, dass sie den Alltag der Familie Butler wiedergeben, insbesondere in den 1830er-Jahren und während der viktorianischen Zeit.
Der Rundgang führt unter anderem durch die Bibliothek, den Salon, das Speisezimmer, das Kinderzimmer und mehrere Schlafzimmer. Wandbespannungen, Wandteppiche, Holzvertäfelungen, Kamine und antike Möbel lassen die elegante Atmosphäre eines anglo-irischen Adelssitzes wieder aufleben.
Die Eingangshalle besitzt einen bemerkenswerten Boden aus schwarzem Kalkstein aus Kilkenny und hellem Sandstein. Porträts, Geweihe des Riesenhirsches und verschiedene Dekorationsgegenstände erinnern an das Prestige, das einst mit dem Anwesen verbunden war.
Die Picture Gallery, manchmal auch Gemäldegalerie genannt, zählt zu den spektakulärsten Räumen des Schlosses. Sie wurde im 19. Jahrhundert im Ostflügel eingerichtet, um die Gemäldesammlung der Familie Butler zu präsentieren.
Ihre Architektur zieht ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich wie die ausgestellten Werke. Der Saal verfügt über ein langes, reich verziertes Holzgewölbe, große Fenster und natürliches Licht, das die an den Wänden hängenden Porträts zur Geltung bringt.
Ein Teil der Familiensammlung, die der irische Staat 1994 erwarb, wird heute in den verschiedenen Räumen des Schlosses gezeigt. Diese Gemälde verleihen den Menschen, die den Ort über mehrere Jahrhunderte bewohnten, ein Gesicht.
Die Entdeckung endet nicht bei den Wohnräumen. Das Schloss ist von rund 50 Acres Parkfläche, also fast 20 Hektar, umgeben, die kostenlos zugänglich sind.
Vor der Westfassade erstreckt sich ein formal angelegter Garten mit einem Brunnen im Mittelpunkt. Seine geometrischen Wege und Beete erinnern an die Ziergärten, die für die Eigentümer des Anwesens angelegt wurden.
Weiter entfernt wird die Landschaft natürlicher. Rasenflächen, jahrhundertealte Bäume, bewaldete Bereiche und ein künstlicher See bilden ein weitläufiges Erholungsgebiet mitten im Stadtzentrum. Von einigen Wegen aus heben sich die drei Türme des Schlosses über dem Laub ab und bieten sehr schöne Ausblicke.
Zum Park gehören zudem ein Spielplatz, Picknicktische, Orientierungsläufe und ein Tearoom. Besonders angenehm ist er im Frühling und Sommer, doch auch an nebligen Herbsttagen in Irland bewahrt er viel Charme.
Der Rundgang durch das Innere dauert in der Regel zwischen 35 und 50 Minuten. Es empfiehlt sich jedoch, etwa eine Stunde einzuplanen, um die Räume zu genießen und die Kunstwerke ohne Eile zu betrachten.
Eine Führung dauert ungefähr 45 Minuten. Bei einer individuellen Besichtigung kann man das eigene Tempo wählen; außerdem ist ein Audioguide auf Französisch erhältlich.
Rechnet man den Park, die Gärten und eine Pause im Tearoom hinzu, kann man dem gesamten Anwesen problemlos zwei bis drei Stunden widmen.
Das Schloss liegt an The Parade im historischen Zentrum von Kilkenny. Dank seiner Lage ist es von den wichtigsten Einkaufsstraßen und den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt bequem zu Fuß erreichbar.
Die Räume im Erdgeschoss sind für Personen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Einige ältere Bereiche und obere Stockwerke weisen jedoch bauliche Einschränkungen auf. Bei besonderen Bedürfnissen empfiehlt es sich, vor dem Besuch Kontakt mit dem Schloss aufzunehmen.
Fotos ohne Blitz sind in den Räumen für den persönlichen Gebrauch in der Regel erlaubt. Videos, große Rucksäcke und sperriges Gepäck sind in den historischen Wohnräumen nicht zugelassen.
Besuchen Sie das Schloss vorzugsweise am Vormittag, um vor allem im Sommer eine ruhigere Atmosphäre zu genießen. Bei mildem Wetter bietet sich anschließend ein Spaziergang im Park oder entlang des Nore an: Von den Gärten aus lassen sich die Ausmaße und die Silhouette des Schlosses am besten würdigen.
Kilkenny Castle ist weit mehr als eine mittelalterliche Kulisse. Seine Mauern erzählen von der Entwicklung einer Militärfestung zum Adelssitz und schließlich zu einem nationalen Denkmal, das allen offensteht.
Die strenge Wucht seiner Türme steht im Kontrast zur Eleganz seiner Salons und Gemäldegalerie. Draußen bietet der weitläufige Park eine grüne Oase im Herzen der Stadt.
Ob man sich für die Geschichte Irlands, Architektur oder einfach für stimmungsvolle Orte interessiert: Kilkenny Castle ist bei einem Aufenthalt im Südosten des Landes ein unverzichtbarer Zwischenstopp.
Möchtest du deinen Besuch verlängern, ohne ständig Kilometer hinter dir herjagen zu müssen? Hier sind ein paar Unterkünfte in guter Lage, in denen du ganz in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten übernachten kannst.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
The Parade, Collegepark, Kilkenny, Kilkenny - Republik Irland
52.650459, -7.249287
Diese Öffnungszeiten können sich bei Zeremonien, Bauarbeiten oder an Feiertagen ändern. Es empfiehlt sich daher, vor der Anreise die offizielle Website von Kilkenny Castle zu konsultieren.
Der Park öffnet je nach Jahreszeit jeden Morgen gegen 8:30 oder 9 Uhr. Seine Schließzeit variiert im Jahresverlauf stark, von 16:30 Uhr im Winter bis 20:30 Uhr an langen Sommertagen.
Informiere dich vor deiner Abreise über die Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen, besonders in der Hochsaison oder an irischen Feiertagen.
Während der Sommersaison gelten für einige Führungen gesonderte Preise:
Der Zugang zum Park und zu den Gärten ist kostenlos. In der Hochsaison kann das Schloss stark besucht sein: Eine Reservierung über die offizielle Kasse hilft dabei, den Besuch besser zu planen. Die Anlage weist außerdem darauf hin, dass keine Drittanbieter berechtigt sind, ihre Eintrittskarten zu verkaufen.