Die Old Military Road zählt zu den schönsten Panoramastraßen Irlands. Sie führt tief in die Wicklow Mountains, durchquert weitläufige Moorlandschaften und überquert Täler, in denen die Spuren menschlicher Präsenz bisweilen vollständig zu verschwinden scheinen.
Die historische Straße, auch als Great Military Road bekannt, verbindet Rathfarnham südlich von Dublin mit Aghavannagh im Süden des County Wicklow. Ein großer Teil ihres Verlaufs entspricht heute der R115 und führt durch den Wicklow-Mountains-Nationalpark.
Entlang der Strecke zeigt sich die ganze landschaftliche Vielfalt der Region: heidebedeckte Hochflächen, sanft gerundete Gipfel, Gletscherseen, Wasserfälle und vom Wind gepeitschte, menschenleere Straßen.
Die historische Route der Old Military Road erstreckt sich über etwa 58 Kilometer. Sie beginnt in Rathfarnham am südlichen Stadtrand von Dublin und führt über die Höhen von Featherbed, Glencree, Sally Gap, Glenmacnass, Laragh, Glenmalure und Drumgoff, bevor sie Aghavannagh erreicht.
Die Straße kann in beide Richtungen befahren werden. Für Reisende aus Dublin ist die Fahrt von Norden nach Süden jedoch am naheliegendsten. Die städtische Umgebung tritt allmählich zurück und macht den dunklen Höhenzügen der Wicklow Mountains Platz.
Ohne Zwischenstopps sollte man für die Strecke etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Realistischer ist jedoch ein halber Tag, um die Ausblicke zu genießen, einige Pausen einzulegen und einen Abstecher nach Glendalough zu machen. Mit einem ganzen Tag lässt sich zusätzlich ein Spaziergang oder der Besuch der Klosteranlage einplanen.
Mit dem Auto lässt sich die Old Military Road am einfachsten erkunden. Es gibt keine regelmäßigen öffentlichen Verkehrsmittel, die die gesamte Strecke bedienen. Einige private Bustouren führen jedoch durch den Nationalpark und passieren Sally Gap oder Glendalough.
Die stille Schönheit der Straße steht im Kontrast zu ihrem militärischen Ursprung. Die Great Military Road wurde nach der irischen Rebellion von 1798 zwischen 1801 und 1809 angelegt.
Nach dem Scheitern des Aufstands fanden mehrere Rebellen in den Wicklow Mountains Zuflucht. Zu ihnen gehörte Michael Dwyer, einer der meistgesuchten Anführer der Rebellen seiner Zeit. Das Gelände, die Moore und das Fehlen passierbarer Wege machten die Region für die britischen Truppen schwer zugänglich.
Die Behörden beschlossen daraufhin, eine Straße zu bauen, über die Truppen schnell ins Herz der Berge gelangen konnten. Entlang ihrer Strecke entstanden mehrere Militärkasernen, unter anderem in Glencree, Laragh, Glenmalure und Aghavannagh.
Die Straße besaß zudem einen Seitenarm, der Enniskerry mit Glencree verband. Heute haben Touristenautos die Militärkonvois abgelöst, doch ihr Verlauf lässt die strategische Funktion, für die sie angelegt wurde, noch immer erkennen.
Der spektakulärste Abschnitt der Old Military Road führt über die Hochflächen des Wicklow-Mountains-Nationalparks. Die Landschaft wird hier von Hochmoor geprägt, einem empfindlichen Lebensraum, der durch Feuchtigkeit, Höhenlage und mehrere tausend Jahre pflanzlicher Ablagerungen entstanden ist.
Die niedrige Vegetation eröffnet weite Ausblicke auf die umliegenden Gipfel. Je nach Jahreszeit zeigen sich die Höhenzüge in Braun-, Grün-, Rotbraun- oder Violetttönen, wenn die Heide blüht.
Bei klarem Wetter hebt das Licht die Gletschertäler und die Formen des Geländes hervor. Zieht Nebel auf, verändern die Berge ihr Gesicht völlig: Dann scheint die Straße in einer fast unwirklichen Landschaft zu verschwinden.
Die Wetterbedingungen können sich sehr schnell ändern. Mitunter genügen wenige Minuten, um von klarem Himmel in dichten Regen oder nahezu vollständige Sichtlosigkeit zu geraten.
Im Norden der Strecke markieren die Höhen von Featherbed den Übergang zwischen dem Dubliner Stadtrand und den wilden Landschaften der Wicklow Mountains. Anschließend verläuft die Straße an den Hängen rund um Kippure entlang, einem der markantesten Gipfel des Gebirges, der an seinem imposanten Sendemast zu erkennen ist.
Das Tal von Glencree ist eine der ersten historischen Etappen der Route. Hier befinden sich unter anderem das Glencree Centre for Peace and Reconciliation sowie ein deutscher Soldatenfriedhof.
Weiter südlich erreicht die Straße Sally Gap, eine abgelegene Kreuzung mitten im Moor. Hier trifft die R115 auf die R759, die in die eine Richtung nach Roundwood und in die andere nach Blessington führt. Diese offene, von Bergen umgebene Landschaft ist zu einem der Sinnbilder des County Wicklow geworden.
Nach Sally Gap führt die Straße hinab ins Glenmacnass Valley. Sie verläuft nahe dem Glenmacnass-Wasserfall, der die Hänge hinabstürzt, bevor er den Talgrund erreicht.
Anschließend erreicht die R115 Laragh, ein kleines Dorf am Eingang des Glendalough Valley. Hinter Laragh steigt sie zum Shay-Elliott-Memorial an, durchquert dann die bewaldeten Landschaften von Glenmalure und führt weiter bis nach Aghavannagh.
Sally Gap ist weniger ein Dorf oder ein ausgebauter Pass als eine verlorene Kreuzung mitten in der Heidelandschaft. Es gibt weder Café noch Geschäft oder Besucherzentrum, sondern nur vier schmale Straßen, die in einer weiten Moorlandschaft aufeinandertreffen.
Von der Kreuzung führt die R759 zum Lough Tay, einem berühmten dunklen See mit einem hellen Sandstrand. Der auch „Guinness Lake“ genannte See zählt zu den meistfotografierten Panoramen Wicklows.
Sally Gap ist zudem ein beliebter Durchgangspunkt für Radfahrer. Die langen Anstiege, die Windexposition und die wechselhaften Wetterbedingungen machen die Strecke jedoch anspruchsvoll.
Parken sollte man nur an ausreichend freien Stellen. Die Seitenstreifen sind empfindlich und können feuchten Torf verbergen, in dem Räder leicht einsinken.
Südlich von Sally Gap überblickt die Straße das Glenmacnass Valley. Der Fluss überwindet hier eine Geländestufe und bildet einen rund 80 Meter hohen Wasserfall, der nach mehreren Regentagen besonders eindrucksvoll ist.
Ein kleiner, höher gelegener Parkplatz bietet Ausblicke auf den Wasserfall und das Tal. Seine Kapazität ist jedoch begrenzt, insbesondere an Wochenenden und in der Hochsaison.
Man sollte weder auf der Fahrbahn gehen noch in einer Kurve anhalten, um zu fotografieren. Die Straße ist schmal, die Sicht eingeschränkt, und trotz der Abgeschiedenheit können Fahrzeuge schnell auftauchen.
Der Wasserfall lässt sich von den am Straßenrand angelegten Aussichtspunkten sehr gut betrachten. Ein Abstieg über die feuchten Hänge, um näher heranzukommen, ist wenig sinnvoll und erhöht das Risiko von Stürzen und Erosion.
Entgegen einer verbreiteten Annahme endet die Old Military Road nicht in Glendalough. Um das Tal von der R115 aus zu erreichen, muss man die Route in Laragh verlassen und der R755 einige Kilometer folgen.
Der Abstecher ist sehr zu empfehlen. Die im 6. Jahrhundert um den heiligen Kevin gegründete Klosteranlage von Glendalough bewahrt einen Rundturm, mehrere Kirchenruinen, alte Kreuze und einen historischen Friedhof.
Im Tal liegen außerdem zwei Gletscherseen, umgeben von Wäldern und steilen Hängen. Mehrere Wanderwege erschließen die Umgebung – von kurzen Spaziergängen für Familien bis zu anspruchsvolleren Routen am Spinc.
Glendalough kann problemlos einen halben Tag in Anspruch nehmen. Um das Programm nicht zu überladen, sollte man daher zwischen einer vollständigen Fahrt auf der Old Military Road und einer eingehenden Erkundung des Tals wählen.
Nach Laragh führt die R115 über das Shay-Elliott-Memorial weiter nach Süden. Anschließend erreicht sie Glenmalure, eines der längsten Gletschertäler Irlands.
Weniger besucht als Glendalough, besitzt dieses Tal eine besonders wilde Atmosphäre. Einst war es ein wichtiger Zufluchtsort für irische Clans und Rebellen, was die Präsenz mehrerer militärischer Anlagen in der Region erklärt.
Glenmalure ist heute Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen. Die Routen zum Lugnaquilla, mit 925 Metern der höchste Gipfel der Wicklow Mountains, sind erfahrenen Wanderern vorbehalten.
Der Aufstieg auf den Lugnaquilla sollte nicht als bloßer Zwischenstopp entlang der Straße betrachtet werden. Die Wege sind nur spärlich markiert, die Orientierung kann im Nebel schwierig werden, und auf dem Gipfelplateau ändern sich die Bedingungen rasch.
Die Straße kann mit dem Fahrrad befahren werden, erfordert jedoch eine gute Kondition. Die Anstiege sind lang, Möglichkeiten zur Verpflegung sind selten, und der Wind kann die Schwierigkeit erheblich erhöhen.
Ein trainierter Radfahrer kann die 58 Kilometer der historischen Route an einem Tag bewältigen. Die Entfernung ist jedoch nur ein Teil der Anstrengung: Auch Höhenunterschiede, Verkehr, Wetter und die für die Rückkehr zum Ausgangspunkt erforderliche Strecke müssen berücksichtigt werden.
Auf den asphaltierten Straßen des Nationalparks ist Radfahren erlaubt. Mountainbiking abseits der Wege ist hingegen verboten, um die Moore und Heidelandschaften zu schützen. Radfahrer sollten zudem auf Autos, Schafe auf der Fahrbahn und plötzliche Sichtwechsel achten.
Die R115 ist asphaltiert und kann mit einem gewöhnlichen Mietwagen befahren werden. Einige Abschnitte sind jedoch schmal, kurvenreich und haben keine Mittellinie. Man sollte langsamer fahren und Begegnungen mit anderen Fahrzeugen vorausschauend planen.
Prüfen Sie vor der Abfahrt Wetter und Straßenzustand. Nebel, starker Regen, Schnee und Eisglätte können einzelne Abschnitte schwierig machen, besonders im Winter. Vorübergehende Sperrungen aus Sicherheitsgründen sind möglich.
Tankstellen, Geschäfte und Toiletten sind auf den Höhenlagen sehr selten. Es ist besser, vor der Abfahrt zu tanken und Wasser, etwas Proviant sowie wasserdichte Kleidung mitzunehmen. In den abgelegensten Bereichen kann der Mobilfunkempfang unzuverlässig sein.
Parken ist nur auf den vorgesehenen Flächen oder an ausreichend breiten Straßenrändern erlaubt. Einfahrten, landwirtschaftliche Tore oder die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge dürfen niemals blockiert werden.
Der Nationalpark ist das ganze Jahr über kostenlos zugänglich, einige Parkplätze können jedoch gebührenpflichtig sein. Wetterwarnungen und mögliche Einschränkungen werden auf der offiziellen Website des Wicklow-Mountains-Nationalparks veröffentlicht.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
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