Der Spire
Sehenswürdigkeit

Der Spire

Irish monuments
The Spire, Dublin - © David Soanes

Der Spire ist nicht zu übersehen: Seit 2003 überragt diese schwindelerregende, 120 Meter hohe Stahlnadel die O’Connell Street. Doch hinter diesem Symbol des modernen Dublin verbirgt sich die bewegte Geschichte eines anderen Monuments: Nelson’s Pillar, das 1966 mitten in der Nacht gesprengt wurde.

Wer durch das Zentrum von Dublin geht, kann den Blick kaum von ihm abwenden. Mitten auf der O’Connell Street ragt der Spire of Dublin empor – eine riesige Nadel aus Edelstahl, die im Himmel über der irischen Hauptstadt zu verschwinden scheint. Mit seinen 120 Metern Höhe überragt er die umliegenden Gebäude deutlich und zählt heute zu den unverkennbarsten Wahrzeichen Dublins.

Seine minimalistische Erscheinung verbirgt jedoch eine Geschichte, die eng mit jener der Stadt verbunden ist. Denn der Spire steht nicht zufällig an diesem Ort: Er nimmt genau den Platz von Nelson’s Pillar ein, einem britischen Denkmal, das die O’Connell Street mehr als 150 Jahre lang prägte, bevor es 1966 gesprengt wurde.

Der 2003 eröffnete und offiziell Monument of Light genannte Spire verkörpert das neue Gesicht der O’Connell Street. Von manchen geliebt, von anderen als kühl oder rätselhaft empfunden, ist er innerhalb weniger Jahre aus dem Stadtbild Dublins nicht mehr wegzudenken.

Den Spire in Dublin sehen

Eine 120 Meter hohe Nadel mitten auf der O’Connell Street

Luftaufnahme der O'Connell Street in Dublin

Luftaufnahme der O’Connell Street in Dublin – © Irish Drone Photography

Der Spire steht im Herzen der O’Connell Street, einer der großen Straßen im Zentrum Dublins. Dank seiner zentralen Lage und seiner Höhe ist er von vielen Orten in der Umgebung zu sehen.

Wer von der Liffey aus die O’Connell Street hinaufgeht, sieht seine gewaltige metallene Silhouette die Szenerie nach und nach beherrschen.

Das Monument liegt nur wenige Schritte vom General Post Office entfernt, dem berühmten GPO, das mit dem Osteraufstand von 1916 verbunden ist, sowie von mehreren Statuen, die bedeutenden Persönlichkeiten der irischen Politikgeschichte gewidmet sind.

Der Spire ist damit ein ausgezeichneter Orientierungspunkt, um das Stadtzentrum zu erkunden. Die Henry Street, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen Dublins, mündet praktisch direkt zu seinen Füßen, während Temple Bar und das Trinity College von der O’Connell Street aus bequem zu Fuß erreichbar sind.

Warum wurde der Spire gebaut?

Ein neues Monument für die O’Connell Street

Die Geschichte des Spire beginnt eigentlich Ende der 1990er-Jahre, als Dublin ein umfangreiches Programm zur Neugestaltung der O’Connell Street in Angriff nimmt.

Seit 1966 besteht mitten auf der Allee eine symbolische Lücke. Mehr als anderthalb Jahrhunderte lang hatte an dieser Stelle Nelson’s Pillar gestanden, eine gewaltige Säule zu Ehren des britischen Admirals Horatio Nelson.

Nach ihrer Zerstörung wurden mehrere Projekte und Kunstwerke für diesen Bereich umgesetzt oder geplant, doch keines vermochte das frühere Monument im Stadtbild wirklich zu ersetzen.

Im Vorfeld des neuen Jahrtausends wurde schließlich ein Wettbewerb ausgeschrieben, um einen neuen monumentalen Orientierungspunkt für die O’Connell Street zu schaffen.

Den Zuschlag erhielt der Entwurf von Ian Ritchie Architects: eine extrem schlanke Nadel aus Edelstahl, bewusst zeitgenössisch und ohne Statue oder historische Persönlichkeit an ihrer Spitze.

Das Monument erhielt den Namen Monument of Light, doch die Dubliner nannten es vor allem mit der viel einfacheren Bezeichnung: the Spire.

Vor dem Spire: Nelson’s Pillar

Das Monument, das Dublin 157 Jahre lang prägte

Um die Präsenz des Spire zu verstehen, muss man bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgehen.

Nach dem britischen Sieg in der Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 wurde in Dublin ein Projekt ins Leben gerufen, um Admiral Horatio Nelson zu ehren, der während der Schlacht gefallen war.

Der Grundstein für Nelson’s Pillar wurde 1808 gelegt. Am 21. Oktober 1809, genau vier Jahre nach Trafalgar, wurde das Monument für die Öffentlichkeit eröffnet.

Die Konstruktion war für ihre Zeit beeindruckend. Eine etwa 37 Meter hohe dorische Granitsäule wurde von einer rund vier Meter hohen Nelson-Statue bekrönt, die der Bildhauer Thomas Kirk aus Portlandstein geschaffen hatte.

Im Inneren führte eine Wendeltreppe mit 168 Stufen Besucher zu einer Plattform mit einem außergewöhnlichen Panoramablick über Dublin.

Das Monument wurde rasch zu einem der wichtigsten Orientierungspunkte der Hauptstadt. Mit dem Aufkommen der Straßenbahnen entwickelte sich seine Umgebung zugleich zu einem bedeutenden Umsteige- und Treffpunkt.

Der Ausdruck „I’ll meet you at the Pillar“ wurde sogar Teil des Dubliner Alltags.

Ein britisches Symbol im Herzen der irischen Hauptstadt

Ein zunehmend umstrittenes Monument

Doch Nelsons Präsenz im Zentrum Dublins wurde nach und nach politisch problematisch.

Als die Säule errichtet wurde, gehörte Irland zum Vereinigten Königreich. Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Lage mit dem Osteraufstand von 1916, dem Unabhängigkeitskrieg und schließlich der Gründung des Irischen Freistaats grundlegend.

Die O’Connell Street selbst wurde zu einem der großen Erinnerungsorte des irischen Nationalismus. Das nur wenige Dutzend Meter von Nelson’s Pillar entfernte GPO hatte während des Easter Rising als Hauptquartier der Aufständischen gedient.

In diesem neuen Kontext erschien es einem Teil der Bevölkerung zunehmend anachronistisch, dass ein Held der britischen Seemacht weiterhin eine der Hauptstraßen der unabhängigen Hauptstadt überragte.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Vorschläge diskutiert, das Monument zu verändern, zu versetzen oder zu ersetzen.

Doch Nelson blieb letztlich bis 1966 an seinem Platz.

Die Zerstörung von Nelson’s Pillar im Jahr 1966

Eine Explosion mitten in der Nacht auf der O’Connell Street

In der Nacht zum 8. März 1966, wenige Wochen vor den Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des Osteraufstands, erschütterte eine Explosion das Herz Dublins.

Eine in Nelson’s Pillar platzierte Sprengladung zerstörte den oberen Teil des Monuments. Die Statue des Admirals stürzte zusammen mit einem Teil der Säule ein.

Der Anschlag ging auf das Konto einer kleinen Gruppe republikanischer Aktivisten. Liam Sutcliffe, ein ehemaliges Mitglied der IRA, räumte später ein, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein.

Glücklicherweise gab es bei der Explosion keine Opfer.

Die verbliebene Konstruktion galt jedoch als gefährlich. Wenige Tage später ließ die irische Armee sie kontrolliert abtragen.

Nach mehr als 150 Jahren über der O’Connell Street verschwand Nelson damit endgültig aus dem Dubliner Stadtbild.

Was wurde aus Nelsons Kopf?

Ein erstaunlicher Überlebender der Explosion

Doch nicht das gesamte Monument verschwand.

Der Kopf der Nelson-Statue überstand die Explosion und erlebte anschließend eine ausgesprochen bewegte Geschichte. Unter anderem wurde er geborgen und eine Zeit lang von Studierenden des National College of Art and Design für verschiedene Aktionen und Inszenierungen verwendet.

Später gelangte er in die städtischen Sammlungen.

Anders als in manchen älteren Reiseführern noch angegeben, wird er nicht mehr im Civic Museum in der South William Street aufbewahrt. Nelsons Kopf befindet sich heute in der Dublin City Library and Archive an der Pearse Street.

Ein erstaunliches Relikt des Monuments, das einst genau an der Stelle des Spire stand.

Von Nelson’s Pillar zum Spire

37 Jahre bis zur Errichtung des neuen Monuments

Das Verschwinden von Nelson’s Pillar hinterließ über mehrere Jahrzehnte hinweg eine Lücke im Zentrum der O’Connell Street.

Für diesen besonders symbolträchtigen Ort wurden verschiedene Ideen vorgeschlagen.

Ende des 20. Jahrhunderts wurde auf der O’Connell Street unter anderem der Brunnen Anna Livia installiert, ein Werk des Bildhauers Éamonn O’Doherty. Er war jedoch kein vergleichbarer direkter Ersatz für den früheren Pillar und wurde später versetzt.

Die Umgestaltung der O’Connell Street Ende der 1990er-Jahre brachte die Frage nach einem großen städtischen Orientierungspunkt schließlich wieder auf.

Der Entwurf von Ian Ritchie Architects gewann den Wettbewerb für das neue Jahrtausend.

Dennoch dauerte es bis 2003, ehe der Spire endgültig seinen Platz über Dublin einnahm.

Wie ist der Spire gebaut?

Eine spektakuläre Konstruktion aus Edelstahl

Der Spire auf der O'Connell Street in Dublin

Der Spire auf der O’Connell Street – John Flanagan – cc

Die scheinbare Schlichtheit des Spire verbirgt eine ingenieurtechnische Meisterleistung.

Das Monument erreicht eine Höhe von 120 Metern. Seine Form gleicht einem extrem lang gezogenen Kegel, der sich auf seinem Weg zum Himmel allmählich verjüngt.

An der Basis hat die Konstruktion einen Durchmesser von etwa 3 Metern. An der Spitze misst sie nur noch rund fünfzehn Zentimeter.

Der Spire besteht aus mehreren miteinander verbundenen Abschnitten aus Edelstahl, die diese durchgehende Silhouette bilden.

Seine Oberfläche ist nicht völlig einheitlich. Der untere Teil besitzt insbesondere eine strukturierte Oberfläche, die das Licht und die Bewegungen der Straße reflektiert, während der Stahl nach oben hin zunehmend glatter wird.

Je nach Tageszeit, Wetter und Sonnenstand kann das Monument daher völlig unterschiedlich wirken: unter Wolken fast mattgrau, bei Aufklaren glänzend oder bei Sonnenauf- und -untergang in den Farben des Himmels getönt.

Warum heißt der Spire Monument of Light?

Eine leuchtende Nadel am Himmel über Dublin

Sein offizieller Name, Monument of Light, entfaltet bei Einbruch der Nacht seine volle Bedeutung.

Der obere Teil des Spire wird beleuchtet und verwandelt seine Spitze in einen Lichtpunkt, der am Himmel über dem Stadtzentrum sichtbar ist.

Das Licht unterstreicht seine Funktion als städtischer Orientierungspunkt zusätzlich.

Sowohl bei Tag als auch bei Nacht ist er aufgrund seiner Höhe von mehreren Straßen in der Umgebung aus zu sehen. Für Reisende, die Dublin zum ersten Mal entdecken, wird er schnell zu einer einfachen Möglichkeit, die O’Connell Street wiederzufinden.

Ein Monument, das die Dubliner spaltet

Vom Monument of Light zum „Stiletto in the Ghetto“

Wie viele zeitgenössische Kunstwerke im öffentlichen Raum hat der Spire nie alle überzeugt.

Manche schätzen seine Schlichtheit und seine Fähigkeit, einen sofort erkennbaren Orientierungspunkt zu schaffen, ohne eine politische oder militärische Persönlichkeit zu verherrlichen.

Andere kritisieren dagegen seine Abstraktheit, seine Kosten oder den scheinbaren Mangel an historischer Bedeutung.

Die Dubliner, denen es nie an Fantasie mangelt, wenn es darum geht, ihren Monumenten neue Namen zu geben, verpassten ihm rasch mehrere humorvolle Spitznamen.

Zu den bekanntesten zählt „Stiletto in the Ghetto“, wörtlich der „Stilettoabsatz im Ghetto“. Auch „Nail in the Pale“ und „Spike“ sind gebräuchlich.

Diese Spitznamen stehen in einer langen Dubliner Tradition, die Statuen und Monumente der Hauptstadt humorvoll umdeutet.

Kann man den Spire besteigen?

Ein Monument, das sich nur von der Straße aus betrachten lässt

Anders als einst Nelson’s Pillar kann der Spire nicht bestiegen werden.

Das Monument verfügt weder über eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform noch über einen Aufzug oder einen Ausstellungsraum im Inneren.

Seine Besichtigung ist daher vollständig kostenlos und erfolgt von der O’Connell Street aus.

Um etwas Abstand zu gewinnen und seine Höhe zu würdigen, kann es interessant sein, in Richtung O’Connell Bridge hinunterzugehen oder ihn umgekehrt vom oberen Abschnitt der Allee aus zu betrachten.

Die Nähe zum GPO bietet zudem Gelegenheit für mehrere Fotografien, die zwei grundverschiedene Monumente zusammenbringen: die geschichtsträchtige neoklassizistische Architektur des General Post Office und die riesige zeitgenössische Nadel des Spire.

Was gibt es rund um den Spire zu sehen?

Ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um Dublin zu erkunden

Dank seiner Lage ist der Spire ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um das Zentrum Dublins zu Fuß zu entdecken.

Das GPO liegt unmittelbar in der Nähe und ist eine wichtige Station, um die Geschichte des Osteraufstands von 1916 zu verstehen.

Wenn Sie die O’Connell Street zur Liffey hinuntergehen, kommen Sie an mehreren Monumenten vorbei, die bedeutenden Persönlichkeiten der irischen Geschichte gewidmet sind, bevor Sie die Statue von Daniel O’Connell und die O’Connell Bridge erreichen.

Auf der anderen Seite des Flusses liegen schon bald das Trinity College, Temple Bar und die großen Einkaufsstraßen des Stadtzentrums.

In der anderen Richtung sind auch der Parnell Square und der nördliche Bereich des Dubliner Zentrums in wenigen Minuten erreichbar.

Mehr als zwanzig Jahre nach seiner Errichtung hat der Spire letztlich erreicht, was seine Schöpfer beabsichtigten: wieder einen großen Orientierungspunkt mitten auf der O’Connell Street zu schaffen. Und selbst jene, die ihn nicht mögen, müssen eines anerkennen: Mit seinen 120 Metern Stahl, die in den Himmel ragen, ist das Zentrum Dublins ohne ihn nicht mehr vorstellbar.


Praktischer Leitfaden

Der Spire

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GPS-Koordinaten

53.349797, -6.260255

Öffnungszeiten

  • täglich

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Preise

  • kostenlos

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