Erste irische Soldaten ansässig
Nach der britischen Eroberung von Neufrankreich lassen sich irische Soldaten in den kanadischen Kolonien nieder.
Die Geschichte der irischen Auswanderung wird oft durch die große Welle erzählt, die in die Vereinigten Staaten zog. Doch auch Kanada war einer der wichtigsten Ankunftshäfen für Exilanten von der Grünen Insel. Für viele bedeutete dieses noch junge Land die Hoffnung auf ein neues Leben, fern von Hunger und Armut. Doch diese Überfahrt war auch eine der dramatischsten in der Geschichte des Atlantiks, mit Tausenden von Toten und unvorstellbarem Leid.
Heute ist das Erbe dieser Migration tief in der kanadischen Gesellschaft verankert. Von Nachnamen über kulturelle Traditionen bis hin zu Denkmälern und Familiengeschichten hat Irland Kanada nachhaltig geprägt.
Schon lange vor der Großen Hungersnot hatte Irland seine Kinder nach Kanada geschickt. Bereits nach der britischen Eroberung von Neufrankreich im Jahr 1763 ließen sich irische Soldaten, die in britischen Regimentern dienten, in den nordamerikanischen Kolonien nieder. Einige wurden demobilisiert und erhielten Land, wodurch sie sich schnell in die lokalen Gemeinschaften integrierten.
Im 18. Jahrhundert wanderten auch protestantische Siedler aus Ulster nach New Brunswick, Nova Scotia und Neufundland aus. Diese Pioniere, meist Landwirte, versuchten, ein ländliches Leben nachzubilden und ebneten den Weg für eine viel größere Diaspora, die folgen sollte.
Das Ereignis, das alles veränderte, war die Große Hungersnot von 1845–1852. Die Kartoffelfäule zerstörte die Hauptnahrungsquelle der irischen Bauern. Innerhalb weniger Jahre starben über eine Million Menschen an Hunger, und zwei Millionen verließen die Insel.
Kanada, eine britische Kolonie, wurde zu einem bevorzugten Ziel. Die Fahrkarten waren dort günstiger als in die USA, was vor allem die ärmsten Familien anzog. Doch dieser Weg hatte einen schrecklichen Preis.
Die Schiffe, die die Migranten transportierten, wurden als „coffin ships“ – „Sargschiffe“ – bezeichnet. Die Überfahrt dauerte über sechs Wochen unter entsetzlichen Bedingungen: extreme Enge, verdorbene Nahrung, kontaminiertes Wasser und rasch ausbreitende Krankheiten. Typhus, Ruhr und Skorbut rafften die Passagiere dahin. Ganze Familien starben auf See, manchmal wurden Leichen anonym über Bord geworfen.
Das Jahr 1847, bekannt als das schwarze Jahr, sah fast 100.000 Iren, die nach Kanada aufbrachen. Ein erschreckender Anteil überlebte die Reise nicht.
An der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms nahe Québec wurde eine kleine Insel berüchtigt: Grosse Île. Seit 1832 diente sie als Quarantänestation für Einwanderer, um die Ausbreitung von Epidemien zu verhindern. Doch 1847 war die Insel angesichts des Zustroms kranker Iren schnell überfordert.
Tausende Migranten starben dort unter unmenschlichen Bedingungen. Provisorische Krankenhäuser waren überfüllt, Ärzte überlastet, Priester und Freiwillige hilflos. Schätzungen zufolge starben über 5.000 Iren auf Grosse Île allein in diesem Jahr, ohne die späteren Todesfälle in Québec und Montréal mitzurechnen.
Heute ist die Insel ein nationaler Gedenkort. Ein riesiges keltisches Kreuz erinnert an das Opfer dieser Migranten. Für viele Nachfahren irischer Herkunft ist es ein Pilgerort, an dem Schmerz und Stolz aufeinandertreffen.
Obwohl die Tragödie groß war, war die Aufnahme der Überlebenden oft von Mitgefühl geprägt. Kanadisch-französische Familien nahmen irische Waisen auf. Viele wuchsen in der Québecer Kultur auf, verloren dabei manchmal ihre ursprüngliche Sprache und Religion, integrierten sich aber mit der Zeit in die Gesellschaft.
Auf dem Land wurden die Iren als Bauern sesshaft. In den Städten arbeiteten sie als Arbeiter, Hafenarbeiter oder Handwerker. Spannungen gab es, besonders in Montréal, wo der Arbeitsmarkt Konkurrenz zwischen verschiedenen Einwanderergruppen schuf. Insgesamt verlief die Integration jedoch schnell und nachhaltig.
Die Iren trugen aktiv zum Aufbau des modernen Kanada bei. Sie waren an großen Bauprojekten beteiligt, wie dem Rideau-Kanal oder den Eisenbahnlinien, die den Osten mit dem Rest des Landes verbanden.
Politisch prägten mehrere irischstämmige Staatsmänner die kanadische Geschichte. Ihr Einfluss zeigte sich in Debatten über Bildung, Religion, Minderheitenvertretung und Arbeiterrechte.
Kulturell brachte die irische Diaspora ihre Traditionen, Musik und Feste mit, allen voran den St. Patrick’s Day, der landesweit zu einem beliebten Feiertag wurde.
Heute wird geschätzt, dass etwa 15 % der kanadischen Bevölkerung irische Wurzeln haben. Diese beeindruckende Zahl spiegelt die tiefe Verbindung zwischen den beiden Nationen wider.
Überall in Kanada erinnern Denkmäler an diese Vergangenheit: das keltische Kreuz auf Grosse Île, der Black Rock in Montréal zum Gedenken an die Typhusopfer oder Gedenktafeln in Kirchen.
Die Erinnerung an die irische Auswanderung ist nicht nur eine Geschichte des Leidens. Sie erzählt auch von einer kollektiven Wiedergeburt, von einem Volk, das nach großem Verlust zum Aufbau einer neuen Nation beitrug.
Nach der britischen Eroberung von Neufrankreich lassen sich irische Soldaten in den kanadischen Kolonien nieder.
Die Insel wird zum Hauptkontrollpunkt für die Gesundheit von Einwanderern, die über den Atlantik ankommen.
Zehntausende Iren verlassen die Insel, viele wählen Kanada als erschwingliches Ziel.
Fast 100.000 Iren kommen in Kanada an, Tausende sterben an Typhus an Bord oder auf Grosse Île.
Die Iren beteiligen sich an großen Bauprojekten, gründen Gemeinden und verankern sich in der kanadischen Gesellschaft.
Rund 15 % der Kanadier haben irische Vorfahren. Das Erbe wird durch Denkmäler und kulturelle Festivals geehrt.