Es gehörte zu jenen irischen Pubs, deren Geschichte nicht nur von den Wänden erzählt wird. In Halfway nahe Ballinhassig im County Cork ist das Ramble Inn gerade für einen Betrag nahe dem Richtpreis von einer Million Euro an einen örtlichen Geschäftsmann verkauft worden. Die Transaktion könnte das endgültige Aus für ein Haus bedeuten, dessen Geschichte mehr als drei Jahrhunderte zurückreicht.
Die Nachricht, über die der Irish Examiner am 10. September 2026 berichtete, geht weit über einen bloßen Immobilienverkauf hinaus. Das Ramble Inn war der letzte Pub in Halfway. Zudem beherbergte es eine bemerkenswerte Sammlung alter Fahrzeuge, Maschinen und Gegenstände, die es zu einer besonderen Adresse an der N71 in Richtung Westen des County Cork machte.
Ein Pub in Cork mit einer Geschichte bis ins Jahr 1709
Mehr als drei Jahrhunderte Geschichte in Halfway
Das Außergewöhnliche am Ramble Inn liegt zunächst in seinem Alter. Nach Angaben des Irish Examiner reichen die Eigentumsurkunden für das Lokal bis ins Jahr 1709 zurück. Sie nennen Thomas Barter, ein Mitglied einer Landbesitzerfamilie, deren Ländereien sich über diesen Teil des County Cork erstreckten.
Das Haus überdauerte Generationen, bevor Alan und Mary Barry es übernahmen und 44 Jahre lang führten. Im Laufe der Jahrzehnte machten sie aus dem Ramble Inn weit mehr als einen Ort für ein Pint: Der Pub wurde zu einem Treffpunkt für die Einwohner und zu einer bekannten Adresse für Liebhaber historischer Technik.
Alan Barry hatte für sein Lokal denn auch eine besonders irische Beschreibung gefunden und nannte es den „größten Beichtstuhl des Landes“. Damit erinnerte er an die soziale Rolle, die ländliche Pubs in vielen irischen Gemeinden weiterhin spielen.
Der letzte Pub des Ortes hatte im Juni geschlossen
Halfway verliert einen seiner wichtigsten Treffpunkte
Das Ramble Inn hatte im Juni 2026 seine Türen geschlossen, als die langjährigen Eigentümer beschlossen, den Betrieb einzustellen. Die Schließung hatte besonderes Gewicht: Seit Colman’s Bar etwa zwanzig Jahre zuvor verschwunden war, war das Ramble Inn der einzige Pub in Halfway.
Sein Verkauf steht damit beispielhaft für eine umfassendere Entwicklung im ländlichen Irland. Ein traditioneller Pub ist nicht nur ein Geschäft: In Dörfern, in denen Dienstleistungen seltener werden, kann er zugleich Treffpunkt, Ort der Weitergabe lokaler Geschichten und mitunter eine echte Institution der Gemeinschaft sein.
Ein bemerkenswertes Museum alter Maschinen und Fahrzeuge
Vintage-Treffen über mehrere Jahrzehnte hinweg organisiert
Das Ramble Inn besaß noch eine weitere Besonderheit: Auf seinem zwei Acres großen Grundstück befand sich eine umfangreiche Sammlung alter Maschinen, Traktoren, Lastwagen und Eisenbahnobjekte. Alan und Mary Barry organisierten zudem über mehrere Jahrzehnte Treffen für historische Fahrzeuge in Ballinhassig.
Ein großer Teil dieser Sammlung wurde vor dem Verkauf des Anwesens versteigert. Zu den bemerkenswertesten Stücken zählte ein Mercedes-Benz 170V Cabriolet B von 1937, der Ende der 1980er-Jahre vollständig restauriert worden war. Laut dem Irish Examiner war das Fahrzeug während des Zweiten Weltkriegs einst auf das Büro des deutschen Botschafters in Irland zugelassen.
Zum Verkauf gehörten außerdem eisenbahnbezogene Objekte sowie Möbel, darunter ein großes Möbelstück aus kanadischem Kirschholz des berühmten irischen Designers und Kunsttischlers Joseph Walsh.
Das Ramble Inn könnte nie wieder öffnen
Das Grundstück könnte neu entwickelt werden
Dies ist wahrscheinlich der wichtigste Aspekt des Verkaufs. Nach den vorliegenden Informationen beabsichtigt der neue Eigentümer offenbar nicht, den Pub wiederzueröffnen. Stattdessen könnte für das rund zwei Acres große Gelände ein Entwicklungsprojekt vorgesehen sein.
Ein großer Teil des Grundstücks liegt nämlich innerhalb des im Cork County Development Plan 2022–2028 festgelegten Entwicklungsgebiets von Halfway. Das Dokument sieht unter anderem vor, den Bau neuer Wohnungen im Ort zu fördern.
Ein endgültiges Projekt wurde bislang jedoch nicht bekannt gegeben. Es wäre daher verfrüht zu behaupten, dass das historische Gebäude des Ramble Inn verschwinden wird. Der Verkauf lässt dennoch erhebliche Unsicherheit über die Zukunft eines Pubs zurück, der das Ortsbild seit mehreren Generationen prägt.
Ein Kapitel in der Geschichte der ländlichen irischen Pubs geht zu Ende
Ein alltägliches Erbe, das fragiler ist, als es scheint
Das mögliche Verschwinden des Ramble Inn erinnert daran, dass sich Irlands Kulturerbe nicht auf Burgen, Abteien und große Baudenkmäler beschränkt. Auch alte Pubs gehören zur Kulturlandschaft des Landes. Ihre Einrichtung, ihre Stammgäste und die Geschichten, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben, bilden ein Gedächtnis, das viel schwieriger zu bewahren ist, wenn ein Lokal endgültig schließt.
In Halfway steht das Gebäude vorerst noch. Doch nach der Schließung des Pubs, der Auflösung seiner Vintage-Sammlung und nun seinem Verkauf könnte eine Geschichte, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann, ihr letztes Kapitel erreicht haben.
Hauptquelle: Irish Examiner, 10. September 2026.
