Wenn sich die Tür schließt, scheint Dublin zu verschwinden. Ein dämmriger Wald, ein Cottage, das vom Feuer im Kamin erhellt wird, und ein Hügel voller unsichtbarer Wesen treten nach und nach an die Stelle der Straßen der Hauptstadt. Im National Leprechaun Museum wird irisches Folklore nicht hinter Glas betrachtet, sondern erzählt.
Dieser ungewöhnliche Ort in Mary’s Abbey nördlich der Liffey widmet sich den Mythen, Legenden und Geschichten, die in Irland über Jahrhunderte weitergegeben wurden. Der Leprechaun nimmt hier selbstverständlich einen wichtigen Platz ein, teilt die Bühne jedoch mit Feen, Helden, Geistern und unheimlichen Gestalten der mündlichen Überlieferung.

Der sagenhafte Schatz des Leprechauns – © Leprechaun Museum
Trotz seines Namens ist das National Leprechaun Museum kein herkömmliches Museum. Es gibt nur wenige Vitrinen und keine historische Sammlung, die man frei erkunden kann. Im Mittelpunkt steht eine live erzählte Führung mit einem Geschichtenerzähler.
Die Gruppe durchquert eine Reihe von Kulissen, die von den Landschaften, Häusern und Glaubensvorstellungen Irlands inspiriert sind. Jeder Raum wird zur Bühne einer Geschichte: Der Erzähler setzt Stimme, Pausen, Licht und die Fantasie des Publikums ein, um Welten entstehen zu lassen, die nie vollständig dargestellt werden.
Die Führung am Tag dauert etwa 45 bis 50 Minuten. Sie wird ab 6 Jahren empfohlen und richtet sich sowohl an Familien als auch an Erwachsene, die sich für irische Volkstraditionen interessieren.
Das Museum befand sich früher in der 57 Jervis Street, einer Adresse, die noch in mehreren älteren Reiseführern auftaucht. Inzwischen ist es nur wenige Minuten von seinem ursprünglichen Standort entfernt umgezogen.
Das National Leprechaun Museum empfängt seine Besucher heute in 2/3 Mary’s Abbey, Dublin 7. Der Standort liegt weiterhin im Zentrum Dublins, in der Nähe von Jervis Street, Henry Street und dem Nordufer der Liffey.
Fotos des früheren Rundgangs, insbesondere jene mit einem riesigen, auf die Größe eines Riesen zugeschnittenen Raum, entsprechen daher nicht unbedingt mehr dem heutigen Erlebnis. Die neue Inszenierung setzt auf Projektionen, Lichtstimmungen, Waldkulissen und Räume, die an alte Cottages erinnern.
Das National Leprechaun Museum eröffnete 2010 in Dublin. Damals wurde es als die erste Attraktion vorgestellt, die vollständig dem Leprechaun gewidmet war – einer Figur, die in der internationalen Vorstellung unmittelbar mit Irland verbunden wird.
Von Beginn an wollte das Projekt jedoch über Postkartenmotive und grün gekleidete Maskottchen hinausgehen. Ziel war es, den Leprechaun wieder in der weitaus komplexeren Welt der irischen Folklore zu verorten.
Nach und nach etablierte sich das Museum als Ort, der der traditionellen Erzählkunst gewidmet ist. Heute bezeichnet es sich als das erste irische Museum für die Kunst des mündlichen Erzählens, die Weitergabe von Legenden und die vielfältigen Wesen der Mythologie des Landes.
Die erzählten Geschichten folgen nicht immer einem festen Text. Die Geschichtenerzähler passen ihre Darbietung an die Gruppe, ihre Reaktionen und die Atmosphäre der jeweiligen Führung an. So können zwei Führungen denselben Weg nehmen, ohne vollkommen gleich zu sein.
Ein Leprechaun wird meist als kleines übernatürliches Wesen aus der Welt der Feen beschrieben. Anders als in modernen Darstellungen ist er nicht immer fröhlich, wohlwollend oder grün gekleidet.
In traditionellen Erzählungen lebt der Leprechaun meist allein. Er arbeitet als Schuster, und seine Tätigkeit kann durch das regelmäßige Klopfen seines Hammers auf einen Schuh verraten werden. Außerdem besitzt er Reichtümer, die er sorgfältig vor den Menschen verbirgt.
Wer es schafft, einen Leprechaun zu fangen, kann versuchen, ihn zur Preisgabe des Verstecks seines Schatzes zu zwingen. Das Wesen ist jedoch listig und nutzt die kleinste Ablenkung, um zu verschwinden. Die Erzählung stellt damit weniger die Belohnung als vielmehr die Gier und Unvorsichtigkeit dessen heraus, der sie an sich bringen will.
Das Bild des mit Gold gefüllten Kessels am Fuß eines Regenbogens gehört vor allem zu den erst in jüngerer Zeit populär gewordenen Versionen. Es fasst eine viel nuanciertere Tradition zusammen, in der Menschen aus der Begegnung mit der übernatürlichen Welt nur selten als Sieger hervorgehen.
Das englische Wort leprechaun leitet sich von Begriffen aus der irischen Sprache ab, doch seine genaue Etymologie ist weiterhin umstritten.
Mitunter wird es mit dem altirischen lúchorpán in Verbindung gebracht, das als „kleiner Körper“ übersetzt werden kann. Dieser Begriff erscheint in einer mittelalterlichen Erzählung über die Begegnung zwischen König Fergus mac Léti und kleinen Wasserwesen.
Eine andere Deutung verbindet es mit dem irischen Ausdruck leath bhrógán, der ungefähr „Schuster eines einzigen Schuhs“ bedeutet. Diese Erklärung knüpft an den Beruf an, der der Figur traditionell zugeschrieben wird.
Der moderne Leprechaun ist wahrscheinlich das Ergebnis der Entwicklung und Verschmelzung mehrerer Überlieferungen. Sein Aussehen, seine Kleidung und sein Charakter haben sich im Lauf der Jahrhunderte verändert – von lokalen Erzählungen bis zu zeitgenössischen Werbedarstellungen.
Im Französischen wird der Leprechaun oft als farfadet oder lutin bezeichnet. Diese Übersetzungen machen verständlich, dass es sich um ein kleines übernatürliches Wesen handelt, erfassen jedoch nicht die ganze Eigenart der irischen Figur.
Der Leprechaun gehört zu einem Glaubenskomplex, der spezifisch für Irland ist. Er steht in Verbindung mit Feen und Wesen der Anderswelt, entspricht jedoch nicht genau den Kobolden französischer oder germanischer Traditionen.
Gerade auf diese Unterschiede weist das Museum hin. Es zeigt, wie Übersetzungen, Tourismus und Populärkultur eine einst ambivalentere Figur nach und nach vereinfacht haben.
Der Tagesrundgang führt durch mehrere Bereiche, die als Erzählszenen gestaltet sind. Eine Karte führt in die mythische Geografie Irlands ein, während Bilder und Gegenstände an die unterschiedlichen Darstellungen der Folklore erinnern.
Anschließend betreten die Besucher Kulissen, die an ein traditionelles Cottage, einen nächtlichen Wald oder einen Feenhügel erinnern. Projektionen und wechselndes Licht schaffen eine Atmosphäre, ohne jedes Detail der Geschichte darstellen zu wollen.
Der Geschichtenerzähler bleibt der eigentliche Mittelpunkt der Führung. Er kann von einer Begegnung mit dem Feenvolk, den Abenteuern eines Helden, den Folgen eines unbedachten Versprechens oder der List eines übernatürlichen Wesens erzählen.
Der Rundgang garantiert nicht, dass jede Gruppe genau dieselben Legenden hört. Dieser Anteil an Variation gehört zur mündlichen Überlieferung, in der sich eine Geschichte je nach der Person, die sie erzählt, und dem Publikum, das ihr zuhört, verändert.
In der irischen Folklore ähneln Feen nicht immer den kleinen geflügelten Wesen aus Kinderbüchern. Sie können schön, gefährlich, großzügig oder zutiefst unberechenbar sein.
Oft werden sie mit Hügeln, alten Ringforts, einzeln stehenden Bäumen und bestimmten Naturorten in Verbindung gebracht. Diesen Orten begegnete man traditionell mit Vorsicht, denn sie zu stören konnte Krankheit, Unglück oder Verschwinden nach sich ziehen.
Die Bezeichnungen für sie zeugen von diesem Respekt, der sich mit Furcht vermischt. Man sprach gern vom „kleinen Volk“, den „guten Leuten“ oder den Aos Sí, um sie nicht zu beleidigen.
Die Geschichten erinnern immer wieder daran, dass die menschliche Welt und die Anderswelt nur durch eine zerbrechliche Grenze getrennt sind. Eine in der Nacht gehörte Musik, ein zur falschen Zeit eingeschlagener Weg oder eine zu rasch angenommene Einladung können genügen, um sie zu überschreiten.
Jahrhundertelang wurden irische Erzählungen bei Abendrunden, in Häusern und am Kamin weitergegeben. Sie dienten nicht allein der Unterhaltung: Sie vermittelten soziale Regeln, erklärten die Landschaft und warnten vor bestimmten Verhaltensweisen.
Der Geschichtenerzähler trug keinen auswendig gelernten Text mechanisch vor. Er passte die Geschichte an, fügte Details hinzu und spielte mit den Erwartungen seiner Zuhörer. Seine Stimme und seine Gestik gaben den Figuren Gestalt.
Das National Leprechaun Museum greift dieses Prinzip auf. Die Kulissen unterstützen die Erzählung, doch das Wesentliche beruht auf der Beziehung zwischen dem Geschichtenerzähler und seinem Publikum.
Dieser Ansatz kann Menschen überraschen, die ein Museum voller alter Gegenstände oder eine Attraktion mit Spezialeffekten erwarten. Der Besuch ähnelt eher einer intimen Theateraufführung als einer traditionellen Ausstellung.
Die Tagesführung ist für Kinder ab 6 Jahren zugänglich. Die Geschichten, Kulissen und die Nähe zum Geschichtenerzähler machen das Erlebnis für junge Besucher besonders lebendig.
Einige Erzählungen können jedoch düstere oder beunruhigende Passagen enthalten. Die irische Folklore war nicht immer darauf ausgerichtet, Kinder vor jeder Form von Angst zu schützen: Übernatürliche Wesen dienten oft dazu, vor den Gefahren der Welt zu warnen.
Der Rundgang besteht nicht darin, nach einem echten Leprechaun zu suchen oder an einer ständigen Schatzsuche teilzunehmen. Familien sollten daher eine Führung erwarten, bei der Zuhören und Fantasie im Mittelpunkt stehen.
Kinder unter 6 Jahren sind bei der Tagesführung nicht zugelassen. Diese Altersgrenze dient dazu, die für die Geschichten nötige Atmosphäre und Aufmerksamkeit zu bewahren.
Nach Einbruch der Dunkelheit bietet das Museum ein anderes Erlebnis namens Darkland. Diese einstündige Führung erkundet die makabersten, grausamsten und verstörendsten Geschichten der irischen Folklore.
Die Geschichten können Tod, Gewalt, Flüche, verstümmelte Körper und verhängnisvolle Begegnungen mit Wesen der Anderswelt thematisieren. Sie erinnern daran, dass sich die traditionellen irischen Erzählungen bei Weitem nicht auf Regenbögen und goldgefüllte Kessel beschränken.
Darkland ist ausschließlich Personen ab 18 Jahren vorbehalten. Am Eingang kann ein Ausweis verlangt werden.
Wie beim Tagesrundgang wird die Darbietung live gestaltet und ist nicht vollständig festgelegt. Der Geschichtenerzähler passt seine Erzählungen an, bewahrt dabei jedoch die düstere Atmosphäre, die dieses nächtliche Erlebnis auszeichnet.
Die regulären Führungen finden vollständig auf Englisch statt. Ein gutes Verständnis des gesprochenen Englischen ist unerlässlich, da die Erzählung den wesentlichen Teil des Erlebnisses ausmacht.
Die Kulissen vermitteln die allgemeine Atmosphäre, reichen jedoch nicht aus, um die Handlungen, Wortspiele und Nuancen des Geschichtenerzählers zu verstehen.
Führungen auf Irisch können auf Anfrage organisiert werden. Das Museum bietet keine regelmäßige Führung auf Französisch an, und das Erlebnis kann nicht mithilfe eines übersetzten Audioguides verfolgt werden.
Die Familienführung am Tag dauert etwa 45 bis 50 Minuten. Sie beginnt alle halbe Stunde, und die Gruppe durchläuft den gesamten Rundgang gemeinsam.
Das Darkland-Erlebnis dauert etwa eine Stunde. Es findet von Donnerstag bis Samstag am Abend statt und bietet mehrere Startzeiten.
Da die Plätze begrenzt sind, wird eine vorherige Reservierung empfohlen. Wer zu spät kommt, kann möglicherweise nicht mehr zur Gruppe stoßen, sobald die Erzählung begonnen hat.
Der Museumsshop ist unabhängig von der Führung zugänglich. Er bietet eine Auswahl an Büchern über Geschichten, Legenden, Feen und die irische Mythologie sowie verschiedene Souvenirs.
Aktuelle Informationen finden Sie auf der offiziellen Website des National Leprechaun Museum.
Möchtest du deinen Besuch verlängern, ohne ständig Kilometer hinter dir herjagen zu müssen? Hier sind ein paar Unterkünfte in guter Lage, in denen du ganz in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten übernachten kannst.
Die wichtigsten Infos für die Planung deines Besuchs: Wegbeschreibungen, Anfahrtsmöglichkeiten und Buchungsoptionen.
Twilfit House,1 Jervis Street, Dublin, Dublin - Republik Irland
53.347634, -6.266608
1 Stunde
Familienführung am Tag:
Darkland-Abendführung:
Die Führungen finden live und ausschließlich auf Englisch statt. Die Plätze sind begrenzt: Eine Online-Reservierung wird dringend empfohlen.
Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte prüfen Sie die offizielle Seite zu den Erlebnissen des Museums.
Die genauen Preise werden bei der Buchung angezeigt und können je nach Besuchergruppe oder gewählter Zeit variieren.
Das Ticket gilt für eine Führung mit einem Geschichtenerzähler. Es berechtigt nicht dazu, das Museum vor oder nach der Führung frei zu besichtigen.
Preise können sich ändern. Eine Reservierung wird auf der offiziellen Website des National Leprechaun Museum empfohlen.