Das Ergebnis überrascht. Die bestbewertete Touristenattraktion Irlands im Jahr 2026 ist weder das Guinness Storehouse noch die Cliffs of Moher und auch nicht Blarney Castle. Einer neuen Studie zu Besucherbewertungen zufolge geht der erste Platz an die Roe & Co Distillery im Dubliner Viertel Liberties.
Eine Rangliste, die die großen Sehenswürdigkeiten auf den Kopf stellt und das wachsende Interesse der Reisenden an vertraulicheren, interaktiven und tief in der irischen Kultur verwurzelten Erlebnissen bestätigt.
Die Roe & Co Distillery führt die irischen Attraktionen an
Eine Dubliner Destillerie, die von ihren Besuchern gefeiert wird
Die Roe & Co Distillery belegt mit 97,35 % Fünf-Sterne-Bewertungen den ersten Platz. Sie liegt vor dem Museum 14 Henrietta Street, das sich ebenfalls in Dublin befindet und 94,77 % erreicht, sowie der Irish Rock ’N’ Roll Museum Experience mit 92,12 % Höchstbewertungen.
Die Rangliste wurde von der irischen Agentur Baldwin Digital auf Grundlage der 50 Attraktionen erstellt, die auf Tripadvisor zu den beliebtesten Aktivitäten Irlands zählen. Die Autoren berechneten für jeden Ort den Anteil der Fünf-Sterne-Bewertungen an der Gesamtzahl der Kommentare.
Die am 15. Juli 2026 veröffentlichte und von Euronews aufgegriffene Rangliste legt den Schwerpunkt auf Museen, Destillerien und immersive Erlebnisse.
Hinter den drei Spitzenreitern folgen die Slieve-League-Klippen in Donegal und anschließend der Wild Atlantic Way. Das Irish Whiskey Museum, EPIC The Irish Emigration Museum, das Little Museum of Dublin, der Killarney-Nationalpark und die Tullamore-D.E.W.-Destillerie vervollständigen die Top Ten.
Warum kommt Roe & Co so gut an?
Ein Besuch, bei dem das Erlebnis im Mittelpunkt steht
Roe & Co befindet sich in der 92 James’s Street, nur wenige Minuten vom Guinness Storehouse entfernt, und ist in einem ehemaligen Kraftwerk der Guinness-Brauerei untergebracht. Das imposante Backsteingebäude wurde in einen Ort rund um irischen Whiskey, Cocktails und die Kunst des Blendens verwandelt.
Der Besuch entfernt sich vom klassischen Rundgang mit Vitrinen und langen Erklärungstafeln. Roe & Co setzt auf die Beteiligung des Publikums. Der Flavours Workshop bietet eine Einführung in Aromen und die Zubereitung von Cocktails, während das Erlebnis Beyond the Blend die Prinzipien des Whiskey-Blendings vermittelt.
Beide Workshops dauern etwa 40 Minuten und werden in der Powerhouse Bar fortgesetzt, die im ehemaligen Kraftwerk eingerichtet wurde. Die Bar kann auch ohne gebuchte Führung besucht werden.
Diese kurze, interaktive und gesellige Form scheint bei Reisenden besonders gut anzukommen. Sie entspricht einem starken Trend im irischen Tourismus: Besucher möchten einen Ort nicht mehr nur betrachten, sondern dort ein Erlebnis haben und mit einer Geschichte zum Erzählen weiterreisen.
Der erste Platz muss in den richtigen Kontext gesetzt werden
Das Guinness Storehouse bleibt ein Gigant des irischen Tourismus
Die Rangliste misst weder die Besucherzahlen noch die internationale Bekanntheit oder die absolute Qualität der Attraktionen. Sie basiert ausschließlich auf dem Anteil der auf Tripadvisor abgegebenen Fünf-Sterne-Bewertungen.
Eine sehr stark besuchte Attraktion erhält automatisch eine größere und vielfältigere Zahl an Kommentaren. Das Guinness Storehouse bleibt daher eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Dublins, obwohl es in dieser Studie den 44. Platz belegt. Die Cliffs of Moher liegen mit 75,95 % Fünf-Sterne-Bewertungen auf Platz 19.
Diese Ergebnisse bedeuten also nicht, dass Roe & Co mehr Besucher anzieht oder die großen Sehenswürdigkeiten an Bedeutung verloren hätten. Vielmehr zeigen sie, dass intimere Erlebnisse eine besonders hohe Zufriedenheitsrate erreichen können.
Auch die Tripadvisor-Rangliste selbst basiert auf anderen Kriterien, darunter die Durchschnittsbewertung, die Anzahl der Bewertungen, die Seitenaufrufe und der Standort der Nutzer. Daher kann sie zu einer ganz anderen Reihenfolge führen.
Ein symbolischer Sieg für das Viertel Liberties
Dublin bestätigt seine Stellung im irischen Kulturtourismus
Sechs der zehn bestbewerteten Attraktionen befinden sich in Dublin. Genauer gesagt liegen mehrere davon in oder rund um die Liberties, ein ehemaliges Industrieviertel, das zu einem der wichtigsten Tourismuszentren der Hauptstadt geworden ist.
Roe & Co trägt den Namen von George Roe, dessen Destillerie einst zu den bedeutendsten Irlands gehörte, bevor sie 1926 geschlossen wurde. Die Marke wurde 2017 von Diageo wiederbelebt, und die Produktion begann 2019 an diesem Standort.
Seit Juni 2025 ruht die Destillation dort für längere Zeit. Das Besucherzentrum bleibt jedoch geöffnet, während die Blend- und Abfüllaktivitäten fortgesetzt werden, wie das Fachmedium The Spirits Business berichtet.
Diese Einschränkung hindert die Öffentlichkeit nicht daran, den Brennblasenraum zu betreten und den Herstellungsprozess kennenzulernen. Die offizielle Website von Roe & Co bietet auch im gesamten Jahr 2026 weiterhin ihre Erlebnisse und Workshops an.
Sollte man Roe & Co in den Dublin-Aufenthalt aufnehmen?
Ein Besuch, der besonders für Whiskeyliebhaber geeignet ist
Roe & Co ist eine interessante Alternative zu den großen Dubliner Attraktionen, insbesondere für Reisende, die das Guinness Storehouse oder die Jameson Distillery in der Bow Street bereits besucht haben.
Das Erlebnis ist Personen ab 18 Jahren vorbehalten. Kinder, einschließlich Babys, sind während der Workshops nicht zugelassen. Alkoholfreie Getränke werden jedoch angeboten, und das Gebäude ist für Rollstuhlfahrer zugänglich.
Die Destillerie liegt etwa 20 Gehminuten vom Zentrum Dublins entfernt. Sie ist auch mit dem Bus 123 oder von der Straßenbahnhaltestelle St James’s Hospital aus erreichbar. Eine Reservierung wird empfohlen, da die Zahl der Plätze begrenzt ist.
Diese neue Rangliste stellt die touristische Landkarte Irlands nicht auf den Kopf. Sie lädt vielmehr dazu ein, über die berühmtesten Sehenswürdigkeiten hinauszublicken. Zwischen einem ehemaligen Kraftwerk, einem Museum zur Sozialgeschichte Dublins und den Hinterbühnen der irischen Musik finden sich die besten Überraschungen manchmal nur wenige Straßen von den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten entfernt.
